ABRYSVO FÜR JÜNGERE – EINE BRÜCKE OHNE GELÄNDER
Pfizer möchte Abrysvo auch Erwachsenen unter sechzig zugänglich machen. Man nehme eine Immunantwort, gemessen bei Sechzigjährigen, und extrapoliere sie auf Jüngere. Immunobridging heißt das. Klingt sauber. Ist Mathematik über einem Abgrund.
Nach der Markteinführung zeigen Beobachtungsstudien ein erhöhtes Risiko für das Guillain-Barré-Syndrom – nach Abrysvo, nach Arexvy. Die Hinweise reichen nicht für einen kausalen Beweis. Sie reichen der FDA, um im laufenden Betrieb die Sicherheitskennzeichnung beider Impfstoffe nachzuschärfen. Wenn Aufsicht Etiketten nachträglich schärft, hat vorher jemand zu weich formuliert. Wer hat die erste Zulassung durchgewunken? Wer saß im Aufsichtsrat? Wer hat den Erweiterungsantrag überhaupt eingereicht? Unklar bleibt, welche der Beobachtungsdaten dem Gremium vorlagen – und welche bewusst zurückgehalten wurden.
Moderna geht derweil einen anderen Weg: mResvia ist sauber für Personen ab sechzig zugelassen, in der Altersgruppe, in der das Risiko noch kalkulierbar ist. Derselbe Konzern stoppte allerdings eine Phase-I-Studie zu mRNA-basierten RSV-Impfstoffen bei Säuglingen wegen Sicherheitsproblemen. Säuglinge. Am anderen Ende der Alterskurve klingt das Risiko genauso – nur dass es dort lauter wird und nicht mehr wegzuwischen ist.
Es gibt alternative Behandlungsmethoden für RSV. Es gibt symptomatische Versorgung, es gibt abwartendes Beobachten. Es gibt keinen Grund, eine Zulassungserweiterung für eine jüngere Altersgruppe durchzudrücken, solange das GBS-Signal bei den Sechzigjährigen nicht entkräftet ist. Der einzige Grund: ein Markt, der jetzt geöffnet werden soll, bevor die Aufmerksamkeit wieder nachlässt.
1937 hätte man gesagt: derselbe Trick in neuem Fläschchen. Heute heißt er Phase-III-Subgruppenanalyse. Schaut in die Geschäftsberichte, nicht in die Packungsbeilage.