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Das schöne Gesicht der Lüge — wie Deepfakes die Realität umschreiben

9. Juli 2026 — — — Kastner

Diese Kolumne wird mit Handschuhen geschrieben. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Prinzip. Wer Verträge gesehen hat, die am nächsten Morgen nicht mehr existierten, entwickelt eine Vorliebe für klare Linien.

Desinformationskampagnen haben sich in Qualität und Quantität auf ein Niveau geschoben, das man noch vor wenigen Jahren für theatralisch gehalten hätte. KI-Technologien haben Verbreitung und Glaubwürdigkeit von Falschinformationen derart verbessert, dass die alte Frage „Kann das stimmen?" nicht mehr ausreicht. Sie muss lauten: „Was wird geglaubt — und wem nützt es?"

Deepfakes sind mittlerweile so realistisch, dass sie oft besser aussehen als das Original. Eine Fälschung, die das Echte übertrifft — keine technische Panne, sondern eine philosophische Bankrotterklärung. Die Erkennung wird erschwert, und zwar für jedermann.

In der Schweizer Bevölkerung zeigt sich überwiegende Unsicherheit im Umgang mit Deepfakes. Bezeichnend ist weniger diese Unsicherheit als die Tatsache, dass bereits die Begrifflichkeit die Wahrnehmung stark beeinflusst. Wer „Deepfake" sagt, hat schon halb gewonnen — in wessen Auftrag, bleibt offen.

Die Technologien sind weiterentwickelt und könnten eine veränderte mediale Realität schaffen. So die nüchterne Formulierung. Die unbequemere Wahrheit: Sie werden sie schaffen, ob wir wollen oder nicht. Die Frage ist nicht ob, sondern wer den Taktstock hält.

Gegenwehr existiert. Das Fraunhofer-Institut entwickelt Methoden, um Deepfakes automatisiert zu erkennen und Systeme zu schützen. Man darf das würdigen, ohne sich einlullen zu lassen. Wer die Fälschung baut, baut schneller als die Verteidigung. Altes Gesetz, uralte Mechanik.

KI-Technologien ermöglichen Deepfakes, die schwer von echten Inhalten zu unterscheiden sind — mit erheblichen Risiken für Einzelpersonen und Unternehmen. Ihre Popularität basiert oft schlicht auf der Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu erregen, unabhängig von Wahrhaftigkeit. Die Mechanik ist uralt. Neu ist nur die Präzision der Verpackung.

KI-generierte Videos können Desinformation verstärken, indem sie aufmerksamkeitsstarke, aber irreführende Inhalte verbreiten. Wer hier profitiert, ist eine offene Frage. Wer verschweigt, die andere. Unklar bleibt, welche Akteure im Hintergrund die Infrastrukturen bereitstellen, über die solche Inhalte skaliert werden. Man darf misstrauen. Man sollte es.

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