NEONIKOTINOIDE: DAS VERBOT, DAS KEINES IST
Die Kommission hat vier Mitgliedstaaten beim Namen gerufen. Sie sollen keine weiteren Notfallgenehmigungen für Neonikotinoide mehr erteilen. Bienenschädlich, das steht in jeder Studie, das weiß jeder Imker, das hat jeder gesehen, der seinen Bestand verloren hat. Rumänien und Litauen antworten mit Widerstand, mögliche Abmahnungen stehen im Raum. Die anderen zwei — unklar bleibt, auf welcher Seite sie stehen, wenn die Briefe aus Brüssel eintreffen.
Die EU will Pestizide reduzieren. Sie will die Gemeinsame Agrarpolitik reformieren, damit wieder wächst, was nicht nur Gewinn abwirft — die biologische Vielfalt. Schön gesetzt in einer Pressemitteilung, die kein Landwirt auf dem Acker liest.
Trotz Verbote fließt das Gift weiter: durch den Einsatz in Gewächshäusern, durch Abwässer, die in den Boden sickern. Studien zeigen: Acetamiprid ist für Weichwanzen hochgiftig und schädigt Bienen und andere Insekten. Die Umwelt wird durch die Beschränkung nicht wesentlich geschützt. Insbesondere nicht für Bienen oder andere Bestäuber. Vier Wörter aus einem Sachverständigenbericht. Sie wiegen schwer wie ein toter Korb.
Verbraucherschutzorganisationen sagen: Die Verbraucher bleiben länger schädlichen Chemikalien ausgesetzt. Industrieverbände sagen: Die Änderungen sind sicherheitsfördernd. Beide haben Rederecht am Tisch. Wer den Tisch bezahlt hat, wird nicht gefragt.
Und dann der Satz, der alles offenlegt: Die Abgeordneten folgten einem Vorschlag der Kommission, um strengere Standards für Kosmetika im Vergleich zu Lebensmitteln zu lockern. Strenger für Lippenstift als für Weizen. Das ist die Hierarchie. Das ist die Reihenfolge, in der wir leben.
Ich frage nach dem Geschäft. Ich sehe Industrielobbys, die Ausnahmen erbetteln. Ich sehe Mitgliedstaaten, die Notfallgenehmigungen nicht als Ausnahme behandeln, sondern als Werkzeug. Ich sehe eine GAP, die noch nicht reformiert ist, ein Verbot, das auf dem Papier steht und auf dem Feld nicht ankommt.
Was bleibt: Der Boden, der das Gift aufnimmt. Die Biene, die es heimträgt. Das Feld, das weiter stirbt, während in Brüssel das Papier wächst.