Wessen Wort wessen Kohle
Die Drähte summen. Diesmal nicht zwischen Funkstation und Funkstation, sondern zwischen Brüssel und den Konzernen, zwischen Verlagen und Algorithmen. Eine alte Frage wird neu verkabelt: Wessen Wort gilt — und wer kassiert dafür?
Die nationalen Regulierungsbehörden dürfen Plattformen zur fairen Vergütung für journalistische Inhalte zwingen. Das ist die Lizenz. Klingt trocken, ist es nicht. Wer seit Jahren mit seinen Texten Maschinen füttert, die damit Werbung schalten, hat bislang kein Honorar gesehen. Das ändert sich. Aber wer bekommt das Geld wirklich? Die Verlagshäuser. Die Chefetagen. Wie viel davon landet bei denen, die den Artikel geschrieben haben — offen.
Gleichzeitig eine zweite Front: Öffentlich gemachte Informationen dürfen nur unter Einhaltung der DSGVO für zielgerichtete Werbung genutzt werden. Was wie ein harmloser Post aussieht, ist also kein Freiwild für jede Datenmaschine. Der EuGH hat klargestellt: Soziale Netzwerke wie Facebook dürfen nicht alle personenbezogenen Daten unbegrenzt verwenden. Ein Urteil, das wie eine Druckwelle wirkt.
Der DMA legt nach. Interoperabilität wird erzwungen, Datenkoppelung verhindert — Metas Geschäftsmodell bekommt Sand im Getriebe. In den USA stehen Tech-Giganten wie Meta und Google unter Druck durch Wettbewerbsprozesse, die ihre Marktmacht und Übernahmen in Frage stellen. Zwei Jurisdiktionen, eine Stoßrichtung: Die Datenökonomie der Platzhirsche wird eingedämmt, soweit es eben geht.
Die EU setzt ihre Digitalgesetze durch — gleichermaßen für europäische, amerikanische und chinesische Firmen. Größere Unternehmen müssen strengere Anforderungen erfüllen. Das ist die Ansage: Niemand steht über dem Zaun. Auch nicht der heimische Champion. Ehrlich — wenn auch schmerzhaft für alle, die gehofft hatten, die Regulierung treffe nur die Fremden.
Doch dann der Riss in der eigenen Mauer. Die Kommission hat keine geeigneten Garantien oder Standarddatenschutzklauseln bereitgestellt. Es kam zu rechtlichen Konsequenzen. Wer Daten ohne angemessene Schutzmaßnahmen an Meta übermittelt, verstößt gegen EU-Datenschutzrecht. Brüssel fordert viel — und hat die eigene Verkabelung nicht sauber verlegt. Das riecht nach Schlamperei. Oder nach Kalkül: Wer Standards nicht liefert, hält sich Hintertürchen offen.
Wer profitiert? Die Verlage, deren Texte endlich Geld wert sind. Die Nutzer, deren Datenspur weniger gläsern wird. Wer zahlt den Preis? Die Werbeindustrie, deren Targeting demontiert wird. Die kleinen Plattformen, die mit bürokratischer Last ringen. Und am Ende die Konzerne, deren Maschinen umgebaut werden müssen.
So sieht das aus. Drähte werden gelegt, Ströme fließen, und wer die Schalthebel hält, wechselt sie nur langsam. Ada Voss, Terminal Tribune. Lötzinn dampft. Kaffee kalt.