ZUCKERWASSER AUF DEM GIPFEL — COCA-COLA KAUFT SICH GRÜN
Ich rieche den Braten. Ihr solltet auch.
Coca-Cola, das größte Plastikflaschen-Imperium der Welt, finanziert einen Weltklimagipfel. Lest den Satz nochmal. Lasst ihn wirken. Das ist kein Witz. Das ist Greenwashing in seiner reinsten Form — ein Konzern, dessen Produktpalette maßgeblich zur Vermüllung unserer Ozeane beiträgt, kauft sich ein Mäntelchen aus recyceltem PET und spricht auf Konferenzen über Nachhaltigkeit. Die Empörung ist berechtigt. Sie kommt nur zu spät.
Was hier passiert, ist alt. Ölbarone haben das vorgemacht. Kohle-Magnaten haben das perfektioniert. Jetzt sind die Softdrink-Könige dran. Die Mechanik ist einfach: Geld rein, Image raus, Kritik bleibt kleben am Sponsoring-Logo statt am Produkt. Die Frage ist nicht ob das funktioniert. Die Frage ist, wer den Deal eingefädelt hat.
Während sich Coca-Cola also auf einem Klimagipfel die Hände reibt, klagen Umweltverbände vor dem Oberverwaltungsgericht gegen die Bundesregierung. Die Deutsche Umwelthilfe und der BUND fordern Sofortprogramme zur Einhaltung der im Klimaschutzgesetz festgelegten Emissionsmengen. Die Richter prüfen gerade, ob die Kläger überhaupt klageberechtigt sind. Lasst das sacken. Die Kläger müssen erst beweisen, dass sie klagen dürfen — bevor sie überhaupt klagen können.
Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, gesetzliche Klimaziele einzuhalten. ESG-Kriterien sind eng mit öffentlich-rechtlichen Umweltschutzauflagen verknüpft. Das bedeutet: Anwälte, Klagen, Gegengutachten. Wer das Geld hat, gewinnt Zeit. Wer keins hat, verliert Jahre.
Und dann die EU-Taxonomie. Atomkraft und Erdgas wurden als nachhaltig gelabelt — vorübergehend, an Bedingungen geknüpft, sagen sie. Das Parlament hat das durchgewunken. Kritiker nennen es einen politischen Kompromiss, der wissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht und Lobbyinteressen bedient.
Wer profitiert? Das steht nicht in der Pressemitteilung. Unklar bleibt, welche Berater zwischen Konzernen und Gipfel-Organisatoren vermitteln. Unklar bleibt, wie tief die Verbindung zwischen Sponsoring-Geld und politischer Rahmensetzung wirklich reicht.
Jemand dreht den Hahn auf. Jemand dreht ihn zu. Beides kostet Leben.