mRNA-Patente: Ein Vergleich, der Geschichte schreibt
Die Akte trägt das Gewicht eines Urteils, das noch gar nicht gesprochen ist. Ein Patentvergleich — so melden die Kanzleien — soll einen der längsten Rechtsstreite um die mRNA-Technologie beenden. Moderna wird künftig keine Lizenzgebühren mehr fürchten müssen. Die potenzielle Zahlung, heißt es, könnte zu den größten Patentvereinbarungen der Geschichte zählen. Ich notiere: 1937 versprach man uns das Licht. Heute verspricht man uns Immunität. Beide Versprechen wurden bezahlt.
Was bedeutet das wirklich? Ein Pharmaunternehmen sichert sich — durch einen Vergleich — die juristische Souveränität über eine Technologie, die zu weiten Teilen mit öffentlichen Geldern entwickelt wurde. Unternehmen in der präklinischen und klinischen Entwicklung tun, was sie immer taten: sie sichern ihre rechtlichen Positionen, bevor der Markt entscheidet. Nur dass der Markt diesmal ein Pandemiemarkt war — gestützt von Regierungsaufträgen, gestützt von Steuergeldern.
Die laufenden Klagen im mRNA-Bereich konzentrieren sich fast ausschließlich auf die kommerzialisierten Produkte, die Impfstoffe von Moderna und Pfizer. Die Verfahren betreffen sowohl die ursprüngliche mRNA-Technologie als auch deren Weiterentwicklungen. Das unterstreicht den Wert, der in diesen Molekülen steckt. Es unterstreicht aber auch, wie knapp das Gewebe zwischen öffentlicher Finanzierung und privater Monopolisierung gewebt ist.
Patente sind Architektur. Wer die Architektur besitzt, besitzt den Zugang. Wer den Vergleich bezahlt, bezahlt nicht für ein Ende — er bezahlt für Ruhe. Und Ruhe ist teuer, wenn der nächste Erreger kommt.
Meine Pfeife ist kalt. Die Labore mögen das nicht. Hier, im Dämmer der Archive, lässt sich deutlicher sehen, was im Schein der Konferenzräume unsichtbar bleibt: Dieser Fall könnte ein Präzedenzfall werden — für die Patentverantwortung von Unternehmen in Regierungsprogrammen, während einer Pandemie, die angeblich niemanden ausschließen sollte.
Wer wird beim nächsten Mal vergleichen? Und wem gehört dann das letzte Wort — der Wissenschaft oder der Kanzlei?