BVI schreibt Bilanzen vor — und schweigt weiter über die wahren Eigentümer
Die Bücher sollen jetzt offen liegen. Jedenfalls teilweise. Die Britischen Jungferninseln verlangen von Kommanditgesellschaften künftig geprüfte Jahresabschlüsse — und verschärfen die Regeln zur wirtschaftlichen Substanz. Die Begründung steht auf dem Briefkopf der EU: die Anti-Geldwäsche-Liste. Wer dort landet, verliert den Marktzugang. Die Herren in Nadelstreifen auf Tortola haben begriffen, dass das wehtut.
Doch wer genauer hinsieht, erkennt die alte Mechanik. Die BVI bleibt ein undurchsichtiges Sitzland, begehrt bei Steuerhinterziehern und Kriminellen. Ein neues Online-Portal für Unternehmenssuchen soll das Image polieren — wer aber hinter den Briefkastenfirmen steht, erfährt man dort nicht. Wirtschaftlich Berechtigte werden registriert, ja. Aber ein öffentlich zugängliches Register? Ausgeschlossen. Geprüft werde lediglich „begrenzter Zugang für legitime Interessenten" — wobei die Definitionshoheit bei denen liegt, die den Zugang gewähren.
Die neue Pflicht zur Kooperation mit Regulierungsbehörden klingt streng. Ist sie auch — auf dem Papier. In der Praxis hängt der Datenfluss an registrierten Vertretern. Sie entscheiden, welche Unterlagen herausrücken. Wer zahlt, bekommt die Akte. Wer nicht zahlt, geht leer aus. Die begrenzte Verfügbarkeit von Informationen und die Gebühren für detaillierte Dokumente sind keine lästige Bürokratie. Sie sind das Geschäftsmodell.
Parallel verschärfen die Caymans ihren CRS 2.0 und das Crypto-Asset Reporting Framework. Transparenz auf Bestellung, nur nicht für jeden. Die Inselgruppe reagiert auf Druck von außen, nicht aus Einsicht. Wo keine Aufsicht greift, schafft man sich eine, die so aussieht wie Aufsicht.
RegTech-Unternehmen wittern das Geschäft. Ihre Branche ist längst kein Nischenanbieter mehr, sondern das Rückgrat moderner Compliance-Strategien — sie überwindet traditionelle Hürden mit moderner Technologie. Wer sich auf Nischen spezialisiert, wer regulatorisches Wissen integriert und mit den Behörden spricht, sammelt die Mandate ein. Die Instrumente sind Standard: automatisierte Prüfungen, Sanktionslisten-Abgleich. Sie können nur das filtern, was reinkommt. Und was reinkommt, bestimmen weiterhin jene, die in Road Town die Schlüssel verwahren.
Unklar bleibt, wer am Ende wirklich profitiert: die Berater, die jetzt als Pförtner auftreten — oder die Mandanten, die weiter verschwinden können, solange die Tür nur einen Spalt offensteht.