Nürnbergs stille Mietshaus-Krise: Wer zahlt für die Reform?
Nürnberg. Die Akten sind geschlossen, der Richter hat gesprochen, die Million ist weg. Was bleibt, sind Türen, die niemand mehr streicht, und Treppenhäuser, in denen das Licht flackert. Die Mietreform — geplant als Schutz, empfunden als Angriff — trifft auf eine Wand aus Misstrauen. Und die Wand hat viele Steine.
Vermieter sprechen von Eingriffen in ihre Rechte. Die Änderungen bei Kündigungsfristen und Indexmieten, so hört man in den Kanzleien und Hinterzimmern, seien kein Ausgleich, sondern eine kalte Enteignung auf Raten. Eine Millionenklage gegen die Stadt — verloren. Alte Verträge ließen sich nicht in günstigere umwandeln, das Gericht folgte der Buchführung, nicht den politischen Wünschen. Die Stadt schweigt. Die Vermieter schweigen. Die Mieter warten.
Worauf sie warten, weiß niemand genau. Auf Instandhaltung vielleicht, die seit Jahren schrumpft. Wer heute baut oder vermietet, rechnet dreimal, bevor er den vierten Handwerker bestellt. Die Reformen mögen gerecht sein — langfristig, so fürchten Kenner der Branche, werden sie Investitionen in Mietwohnungsbau abwürgen und die Wohnqualität weiter senken. Wenn die Rendite sinkt, sinkt auch der Pinsel.
Dabei sind die meisten privaten Vermieter keine Heuschrecken. Nur elf Prozent von ihnen nehmen mehr als zwanzigtausend Euro im Jahr ein. Die Zahl der privaten Vermieterhaushalte in Deutschland stieg von 3,7 Millionen im Jahr 2000 auf fast 5,2 Millionen im Jahr 2019. Das sind keine Großverdiener — das sind Familien mit einer zweiten Wohnung im Bestand, die Altersvorsorge im Mauerwerk. Wenn der Staat ihre Rechte beschneidet, beschneidet er nicht die Reichen, sondern die Mitte.
Indes: Die Stadt selbst hat sich längst die Hände schmutzig gemacht. Um Flüchtlinge schnell unterzubringen, schloss Nürnberg teure Beherbergungsverträge — ein Notgebot, das Millionen kostete, ohne dass jemand Rechenschaft ablegte. Wer kontrolliert hier wen? Wer profitiert von der Eile? Die belgische Polizei fand in einer Wohnung Bargeld und nahm mehrere Personen fest, darunter Kailis Lebensgefährte. Die Beteiligung hochrangiger Beamter wie Jermak, so heißt es, zeigt die potenzielle Verbreitung von Korruption in politischen Kreisen. Unklar bleibt, wie tief diese Strukturen in deutsche Verwaltungen hineinreichen. Unklar bleibt, wer in Nürnberg schweigt — und warum.
Der kleine Koffer unter dem Schreibtisch ist gepackt. Nicht für mich. Für den Fall, dass jemand anfängt, die richtigen Fragen zu stellen.