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70 Prozent und die Frage, wohin das Geld verschwindet

10. Juli 2026 — — — M. Silber

Sachsen-Anhalt. Thüringen. Brandenburg. Drei Bundesländer, ein und dasselbe Muster. Die Privatisierungen laufen — und die Kritik der politischen Vertreter verhallt im Flur der Landtage. Die Namen wechseln, die Quote bleibt.

Siebzig Prozent der verkauften öffentlichen Grundstücke gingen an private Träger. Nur zweihundertsechsundzwanzig Liegenschaften wechselten in öffentliche Hände. Wer profitiert? Die Akten geben wenig her. Wer verschweigt? Die Auskünfte sind lückenhaft. Wer entscheidet, was allen gehört, zu verkaufen — damit einer es besitzt?

Die Mechanik wiederholt sich. Nur das Feld wechselt. Schweden erreicht hohe Kanalisierungsraten, scheitert an Online-Casinos. Die Niederlande verschärfen den Spielerschutz, sehen ihre Spieler in unlizenzierte Angebote fliehen. Deutschland evaluiert seine Online-Glücksspielregulierung, will Suchtprävention, will Markt-Kanalisierung, kämpft mit Zahlungsunterbindungen gegen das, was sich nicht ordnen lässt. Überall dasselbe Bild: privatisiert werden die Gewinne. Verstaatlicht die Schäden.

Die Christdemokraten nutzen ihre Macht, um die EU-Entwaldungsverordnung weiter zu schwächen. Änderungen könnten bestimmte Länder weitgehend ausklammern — unklar bleibt, was vom Gesetz dann überhaupt noch übrig ist. Parallel: Die EU erklärt Marokko, Tunesien, Kolumbien und Kosovo zu sicheren Herkunftsländern. Asylsuchende sollen in sichere Drittstaaten abgeschoben werden, die Asylzahlen sollen sinken. Die Menschlichkeit verschwindet im Absatz.

Marta Silber, Sozialreporterin. Der Koffer unter dem Schreibtisch ist nicht leer. Er enthält einen Ausdruck, anonym zugesteckt. Eine einzige Zeile, unterstrichen: „Priorität: privat." Vier Buchstaben. Siebzig Prozent dagegen. Und zweihundertsechsundzwanzig, die niemand haben wollte.

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