CBAM verschoben – die Masche hinter dem Aufschub
Die Verschiebung ist eingeräumt. Was offen bleibt, ist die Masche.
Brüssel schiebt den Verkauf der CBAM-Zertifikate vom Januar 2026 auf den Februar 2027. Ein Jahr, in dem die Industrie ihre Buchhaltung führt und die Zertifikate nicht gehandelt werden. Die Compliance-Preise für 2026 sollen rückwirkend aus dem quartalsweisen Durchschnitt der EU-ETS-Preise desselben Jahres gebildet werden – erst die Tat, dann der Preis. Die Erde kennt dieses Muster. Sie hat es in jedem Ölfeld gelesen, das wir ihr aufbrechen.
Gleichzeitig fällt die 150-Euro-Wertbefreiungsschwelle. An ihre Stelle tritt eine massenbasierte Schwelle von 50 Tonnen pro Jahr. 90 Prozent der Importeure sind damit von der Registrierung befreit – 99 Prozent der eingebetteten Emissionen bleiben, so sagt das Papier, erfasst. Wer profitiert? Die kleinen Einführer, deren Aufwand sinkt. Wer verschwindet aus dem Blickfeld? Genau jene Akteure, deren Emissionsfracht sich in der Schwelle verflüchtigt, bevor sie ein Register überhaupt berührt.
Der temporäre Fonds soll EU-Produzenten gegen das Risiko der Kohlenstofflecks schützen – gegen ebenjene Produktionsverlagerung, die das CBAM eigentlich verhindern will. Die Erweiterung des Mechanismus zielt darauf, Lücken zu schließen und Umgehung zu verhindern. Aber Lücken werden gebaut, nicht gefunden – von jenen, die den Preis noch nicht zahlen wollen.
Parallel verschärft sich die geopolitische Rivalität um kritische Mineralien für den grünen Übergang. Die Wettbewerbsinitiativen der EU, die das CBAM flankieren sollen, können den Übergang selbst behindern. Hier kippt das Dokument: Wirtschaftsziel und Umweltziel – zwei Köpfe auf einem Hals. Unklar bleibt, wer in Brüssel entscheidet, wenn der eine hungert.
Strengere Berichtspflichten stehen im Text. Ob sie zählen, wenn die Uhr zurückgestellt wird, ist eine andere Frage.
Die Erde kennt kein Aufschieben. Was sie verbrennt, baut sie nicht wieder auf – das ist kein Verhandlungsgegenstand.