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Die Garderobe der Macht: Europas leises Iran-Spiel

10. Juli 2026 — — — Kastner

Man nehme eine Liste, die seit Jahren in Schubladen liegt, füge einen Namen hinzu, der dort bereits zirkuliert, und nenne das Ganze einen Wendepunkt. Das Europäische Parlament hat die Islamische Revolutionsgarde auf die EU-Terroristenliste gesetzt — ein Beschluss, der in Brüssel Beifall findet und in Teheran als Beleidigung inszeniert wird. Beides ist Theater, und beide Seiten wissen es.

Wer profitiert? Eine Frage, die sich Diplomaten ungern stellen, weil die Antwort meistens heißt: jene, die am lautesten applaudieren. Die wachsende Diskussion über eine stärkere europäische Position in der globalen Machtpolitik speist sich weniger aus Strategie als aus dem Bedürfnis, überhaupt eine zu haben. Die Terrorliste ist das Möbelstück, mit dem man diese Strategie möbliert — sichtbar, verschiebbar, jederzeit wegräumbar.

Iran hat die Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens einbestellt, um über die Proteste zu sprechen. Einbestellt — das Wort verrät die Geste: Man lädt nicht ein, man zitiert. Es ist die alte Grammatik der Souveränität, während im Hintergrund europäische Sicherheitsdienste längst anderes vermuten: eine Beteiligung iranischer Stellen an Anschlägen in Europa, ausgeführt über kriminelle Organisationen, die als verlängerter Arm funktionieren, ohne als solcher benannt zu werden. Unklar bleibt, welche Fäden hier wirklich gezogen werden.

Das Parlament sieht einen Wandel: von Abschreckung zu strategischer Eliminierung. Das ist keine Spitzfindigkeit — es beschreibt ein Regime, das nicht mehr nur einschüchtert, sondern auslöscht. Die diplomatischen Sanktionen sind die Antwort einer Institution, die sich erinnert, was sie wollte, ohne zu wissen, was sie kann.

Und dann die Klausel: Normalisierung der Beziehungen, sobald politische Gefangene freigelassen werden. Eine Bedingung, die wie eine Forderung klingt und wie eine Einladung wirkt. Wer zählt die Gefangenen? Wer prüft die Freilassung? Und wer — das bleibt offen — garantiert, dass die Liste nicht morgen wieder zur Garderobe wird, in der die Macht ihre Handschuhe ablegt, bevor sie sich die Hände reicht?

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