58 Prozent in drei Häusern
Rauch steigt aus dem Aschenbecher. Ich habe die Listen vor mir, und was sie erzählen, ist hässlich: 58 Prozent. So viel vom Kuchen der Provisionen geht an drei Namen. Flossbach von Storch. DJE Kapital. Acatis. Der Rest — knapp die andere Hälfte — verteilt sich auf eine wachsende Schar kleinerer Häuser, die sich mühsam am Riemen reißen.
Ich habe die Zahlen gegen die Zeit gehalten. 2021: die unabhängigen Vermögensverwalter kassierten über 1,6 Milliarden Euro an Provisionen. 2022: knapp über eine Milliarde. Ein halber Milliarden-Kuchen weniger. In diesem geschrumpften Raum greifen dieselben Drei nach dem größten Stück.
Konzentration ist kein Naturereignis. Sie wird gemacht. Effektives Portfoliomanagement, Risikomanagement, Kundenbeziehungsmanagement — die drei Säulen, von denen die Hochglanzbroschüren sprechen. Wer Infrastruktur hat, behält Mandate. Wer keine hat, sortiert Fonds. Asset-Manager, heißt es, sind wie persönliche Trainer für Investitionen: sie treffen fundierte Entscheidungen, um finanzielle Ziele zu erreichen. Schöne Metapher. Aber manche stemmen Gewichte im eigenen Studio, andere in der Ecke zwischen Küche und Schlafzimmer.
Die Führungswechsel sind das zweite Signal. Rémy Saccone übernimmt bei Mirabaud in Luxemburg eine führende Rolle, um das Geschäft mit unabhängigen Vermögensverwaltern auszubauen. Man baut nicht aus, was wächst — man baut aus, was man vereinnahmen will. Strategische Neuausrichtungen in weiteren Häusern: die Namen kenne ich nicht, die Bilanzen kennen sie. Unklar bleibt, welche Stücke wann an wen gehen. Genau diese Frage verfolge ich weiter.
Was bleibt? Die Behauptung, die Fonds würden von bankenunabhängigen Vermögensverwaltern gemanagt, im Interesse der Kunden, frei von Vertriebsvorgaben. So steht es im Prospekt. Auf dem Papier ist das sauber. In der Praxis ist es Code für eine Branche, die sich sortiert: oben drei, die das Volumen bündeln, darunter viele, die Rückenwind oder das Aus verkaufen.
Vermögensverwalter-Fonds, heißt es, ermöglichen breite Anlagestrategien und sind zugänglich für Anleger, die sich individuelle Vermögensverwaltung sonst nicht leisten könnten. Auch das stimmt. Aber Zugänglichkeit ist nicht Gleichheit. Drei Häuser halten 58 Prozent. Der Rest hält die Türen auf.