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Der Hahn, der vorher schon lief

10. Juli 2026 — — — Hollis

Irgendetwas stimmt nicht mit dem Timing. Dreißig Minuten bevor Trump in die Tasten haut und den Weltmarkt mit seiner Iran-Ankündigung durchschüttelt, steigen die Handelsvolumina bei Öl- und Aktien-Futures. Nicht wenig. Ungewöhnlich. Wer zur gleichen Zeit weiß, was noch keiner weiß, hat kein Glück gehabt. Der hat vorher schon gewusst.

Ich stand auf Bohrlöchern in Texas. Habe gesehen, wie Konzerne anrücken, das schwarze Blut hochpumpen und wieder abziehen. Habe gerochen, wenn eine Pipeline undicht ist, bevor die Messgeräte es merken. Und ich sage dir: Wenn plötzlich jemand vorne am Hebel sitzt, der nicht dort hingehört, dann klebt das Öl nicht nur an den Händen. Es klebt an den Taschen.

Die Frage ist nicht, ob gespielt wurde. Die Frage ist, über welche Tische gespielt wurde. Die Spur führt nicht nur in die USA, sie führt nach Europa, in ein System, das Löcher hat wie ein ausgedientes Fass. Das Emissionshandelssystem ist anfällig für Betrug und Hackerangriffe. Internationale Zertifikate stehen unter Betrugsvorwurf, die Glaubwürdigkeit dieser Mechanismen ist angekratzt. Ab 2012 soll ein zentrales Gemeinschaftsregister der EU die Sicherheitslücken schließen. Ab 2012. Wer bis dahin spielt, spielt im Nebel.

Die ESMA überwacht die nationalen Aufsichtsbehörden, sie soll Berichte erstellen. Doch Aufsicht kommt oft zu spät, wenn das Geld schon in einer anderen Zeitzone liegt. Kritiker befürchten, dass zusätzliche Bedingungen die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie weiter schwächen — wer kontrolliert dann noch, was am Rand passiert? Die EU-Kommission will, dass Unternehmen einen Teil der Entlastung in Transformationstechnologien investieren. Schön und gut. Doch wer prüft, was vorher gelaufen ist?

Unklar bleibt, wer genau vor Trumps Tweet sass und wusste. Unklar bleibt, ob die ungewöhnlichen Volumina über Emissionshandel, über Zertifikate, über undurchsichtige Nebenwege gewaschen wurden. Klar ist nur eins: Jemand hat den Hahn aufgedreht, bevor Trump ihn erwähnte. Und die Profiteure sitzen nicht in den Bohrlöchern. Die sitzen in Boardrooms, in denen das Bier kalt und das Gewissen noch kälter ist.

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