CCS: DAS GESETZ UNTER DEM WATT
Im Watt riecht die Luft nach Salz und Tang. Darunter, in Schichten die älter sind als jede Bundesregierung, soll demnächst CO2 gepumpt werden. Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben den Entwurf gelesen — und schweigen nicht. Die Novelle des KSpTG öffnet ein einheitliches Zulassungsregime für CO2-Leitungen. Sie erlaubt Offshore-Speicherung auch unter Meeresschutzgebieten, dort wo heute Kraniche fallen und Seehunde liegen. Naturschutzverbände lehnen ab. Sie nennen es das, was es ist: eine Richtungsentscheidung gegen das Klima, gegen die Feuchtgebiete, gegen uns.
Ich frage, wohin das Geld fließt. Der BDEW — die Energiewirtschaft — stützt den Entwurf. Gleichzeitig beklagt er den Schutz von Süßwasser. Eine eigentümliche Doppelgeste: Wer das eine einlagern will, muss das andere preisgeben. Die Opposition kritisiert das Gesetz als ideologische Klimapolitik. Sie hat nicht ganz unrecht. Aber die Gefahr ist nicht ideologisch — sie ist geologisch. Lecks kennen kein Parteibuch. CCS, sagen dieselben Verbände die ablehnen, ist technisch möglich. Nur: die Infrastruktur fehlt. Sichere Lagerstätten — unklar, wer sie prüft.
Unklar bleibt, wer im Ernstfall haftet. Die Industrie sagt: CCS ist nur Ergänzung für unvermeidbare Rest-Emissionen, kein Ersatz für Vermeidung an Land. Eine zahme Formulierung. Denn wer entscheidet, was unvermeidbar ist? Wer legt fest, ob Vermeidung warten darf, während Speicherung gefeiert wird? Das sind die offenen Fragen, die der Entwurf nicht beantwortet.
Die Verbände fürchten genau diese Verschiebung: dass Vermeidung aufgeschoben wird, weil das Geld unter dem Meer billiger scheint als die Wahrheit über Land. Ich trage meine Stiefel ins Büro. Sie sind dreckig. Sie sind immer dreckig, weil die Erde nicht aufhört zu reden. Was die Erde aufnimmt, gibt sie wieder. Das ist kein Vertrag. Das ist Physik — älter als jeder Absatz, den wir heute schreiben.