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Berechtigtes Interesse? Der Apparat schluckt Daten — und nennt es Fortschritt

10. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen lauter als sonst. Auf einer Frequenz, die ich seit Wochen abhorche, wird das Alphabet der Privatheit umgeschrieben. Brüssel flüstert von „berechtigtem Interesse" — und plötzlich soll KI-Training, soll der Zugriff auf eure Geräte zu einem Recht werden, das keine Zustimmung mehr braucht. Ich notiere: Wer kontrolliert das? Wer profitiert? Wer zahlt?

Da ist zunächst der Trick mit den pseudonymen Daten. Definiert man personenbezogene Daten neu, verschwinden sie. Pseudonym wird zu anonym erklärt — und schon darf die Maschine schlucken, was sie will. Ein Taschenspielertrick. Das Publikum merkt nichts, die Konzerne nicken.

Reul sieht derweil Magdeburg und Solingen und fordert schärfere Sicherheitsbestimmungen gegen Internetradikalisierung. Verständlich. Aber jeder Vorfall wird zum Vorwand für mehr Überwachung — und jeder Ausbau der Überwachung schluckt ein Stück Grundrecht. Die Verbindung von Internetaktivität und Radikalisierung wird hier zum Hebel, nicht zur Diagnose.

Bleibt die Verschlüsselung. WhatsApp hat seine Technik von RC4 auf AES und elliptische Kurven umgestellt — ein technischer Sprung. Nur: Niemand von uns kann sicher wissen, ob Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirklich aktiv ist. Das Vertrauen bleibt eine Blackbox. Transparenz? Fehlanzeige.

Der neue Ansatz, so heißt es, soll Massenüberwachung vermeiden und E2E nicht untergraben — grundrechtskonformer als die bisherigen EU-Vorschläge. Technische und rechtliche Hürden bleiben. Unklar ist, wer am Tisch sitzt, wenn „berechtigtes Interesse" definiert wird. Unklar bleibt, wessen Interesse am Ende berechtigt ist.

Mein Lötkolben glüht. Die Frequenz klingt noch.

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