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Die unsichtbare Rechnung

10. Juli 2026 — — — Hollis

Seit 2023 steht auf keiner Stromrechnung mehr die EEG-Umlage. Sauberer Schnitt, heißt es aus Berlin. Die Kosten wanderten in den Bundeshaushalt. Was wie Entlastung klingt, ist Buchhaltung mit der Gießkanne — und ein Mechanismus, der genau jene schont, die ihn ohnehin nie bezahlt haben.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz funktioniert nach einem simplen Versprechen: Einspeisevorrang für Wind und Sonne, garantierte Vergütung für jede eingespeiste Kilowattstunde. Damit das System trägt, musste jemand die Differenz zwischen Börsenpreis und Fördersatz ausgleichen. Früher die EEG-Umlage. Heute der Steuerzahler. Die Konzerne, die Aluminium schmelzen oder Chlor kochen, sind von der Umlage weitgehend befreit. Gleichzeitig drücken ihre zusätzlichen Ökostrommengen den Börsenpreis nach unten. Sie kassieren zweimal: billiger Strom an der Börse, keine Umlage obendrauf.

Die Umlage selbst stieg trotz gekürzter Fördersätze, weil die Schere zwischen Börsenpreis und höherer Einspeisevergütung nicht kleiner wurde. Nun hat der Bund die Rechnung übernommen. Klingt nach Befreiung. Ist Verschleierung der wahren Lastenverteilung.

Ab 2026 sinkt die Einspeisevergütung um ein Prozent. Neue PV-Anlagen ab sieben Kilowatt brauchen Fernsteuerbarkeit und intelligente Messsysteme. Wer das Messkonzept nicht gesetzeskonform aufsetzt, zahlt am Ende mehr als geplant — oder bekommt weniger ausgezahlt. Die Direktvermarktungspflicht ab 2027 und der Wegfall der Einspeisevergütung treffen kleine Dachanlagen deutlich härter als gewerbliche Mieterstromprojekte. Auch wer sich im Windpark selbst versorgen will, fliegt nicht automatisch raus aus der Umlage: Die rechtlichen Anforderungen sind streng, die Ausnahmen rar.

Die Architektur bleibt: große Stromfresser draußen, kleine Erzeuger unter Bürokratie begraben, der Endkunde zahlt — nur jetzt ohne sichtbare Position auf der Rechnung. Was im Bundeshaushalt steht, zahlt am Ende jeder über Steuern und Abgaben. Unklar bleibt, wer in den Ministerien künftig die Zeche trägt, wenn die Förderkulisse wächst und die Töpfe knapper werden.

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