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Die stillen Hähne an der Börse — wer das Wissen dreht, bevor der Markt es weiß

10. Juli 2026 — — — Hollis

Ich habe in Texas an den Bohrtürmen gestanden. Da lernt man, was es heißt, wenn einer den Hahn aufdreht und ein anderer die Rechnung kriegt. Heute steht dieser Hahn nicht mehr über einem Ölloch. Er steht über einem Bildschirm in Frankfurt, Zürich, Amsterdam. Und das Öl, das da fließt, heißt Information.

Insiderhandel ist kein Kavaliersdelikt. Es ist die unrechtmäßige Nutzung von nicht öffentlichen Informationen für Börsengeschäfte. In Deutschland und der EU wird das verfolgt. Mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Oder mit Geldstrafen. Oder mit der Abführung erzielter Gewinne. Wer erwischt wird, muss nicht nur zurückzahlen — er muss das Hemd ausziehen, das er sich davon gekauft hat.

Die Maschinerie dahinter trägt zwei Namen, die jeder kennen sollte, der mit Energie handelt. Die MAR verbietet Handlungen, die falsche oder irreführende Signale über Finanzinstrumente geben oder den Preis künstlich beeinflussen. Die MMVO definiert, was Insiderhandel überhaupt ist, und sie erfasst eine breite Palette von Finanzinstrumenten. Von der Aktie bis zum Emissionszertifikat.

Genau da wird es für mich interessant. Wer Emissionszertifikate kauft oder verkauft, bevor sie versteigert werden, und damit den Auktionspreis künstlich beeinflusst, begeht Marktmanipulation. Das ist kein Gerücht aus einer verrauchten Bar. Das steht im Gesetz.

Die Frage, die sich stellt: Wer profitiert? Wer verschweigt, dass er vor der Auktion wusste, was nach der Auktion gilt? Ich habe in meinem Berufsleben genug Männer gesehen, die an einem Tisch saßen, an dem die Preise gemacht wurden, bevor die anderen überhaupt wussten, dass verhandelt wird. Die Strukturen sind dieselben. Nur die Währung hat sich geändert.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA und die Bundesanwaltschaft intensivieren ihre Bemühungen gegen Marktmissbräuche. Das ist gut. Das reicht nicht. Denn die Jäger rüsten auf. Künstliche Intelligenz und Big Data werden zunehmend eingesetzt, um Insiderhandel zu erkennen und zu verfolgen. Auch das ist gut. Aber Algorithmen jagen nur das, was sie sehen. Was im Hinterzimmer bleibt, sieht kein Algorithmus.

Offen bleibt, welche Handelsplätze, welche Zwischenhändler, welche Konzerne in den letzten Jahren konkret im Visier standen. Die Akten reden nicht. Die Beschuldigten erst recht nicht. Die Anwälte sowieso.

Fakt ist: Die Weitergabe und Nutzung von Insiderinformationen kann zu erheblichen Strafen führen, einschließlich der Abführung erzielter Gewinne. Wer das Spiel spielt, sollte wissen, dass das Spiel inzwischen zusieht.

Ich trinke Bier. Aus Prinzip. Aber ich sehe klar.

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