Tel Aviv hämmert, Washington pokert — wer verliert, liegt im Libanon
Hörst du das? Nein. Vom Bürostuhl aus hört man nichts. Man liest. Und was man liest, ist dies: Israel setzt seine militärischen Operationen im Libanon fort. Anhaltende Spannungen mit der Hisbollah. So steht es in den Agenturmeldungen — sauber formuliert, als wäre Spannung ein Naturereignis. Sie ist keins. Sie wird gemacht. Mit Geld, mit Kalibern, mit Geduld.
Während Tel Aviv hämmert, pokert Washington. Die Angriffe zwischen Iran und Israel seien eingestellt worden, heißt es. Trump habe vermittelt, heißt es. Diplomatische Bemühungen, heißt es. Wer das glaubt, hat zu lange auf Pressekonferenzen geschaut statt in Einsatzbesprechungen gesessen.
Zähl nach. Eine Division, die nicht abrückt. Ein Kaliber, das nicht verstummt. Fabriken, die nicht stillstehen. Verträge, die niemand liest. Das Embargo gegen den Iran ist ausgelaufen — ein Wort, ein Anachronismus, ein Stempel auf Papier. In Brüssel bedeutet es Feierlaune. In Tel Aviv Kopfschmerzen. Teheran darf jetzt Waffen kaufen, sagen sie — auf Basis seiner Verteidigungsbedürfnisse. Verteidigungsbedürfnisse. Das Wort habe ich in zwei Sprachen gehört. Es klang immer gleich.
Die USA behaupten, Geschäfte mit dem Iran würden weiterhin unter Sanktionen fallen. Behaupten. Wer kontrolliert die Lieferketten, wenn Embargopapier zur Glaubensfrage wird? Parallel: Die USA greifen erneut Ziele im Südiran an. Selbstverteidigung, sagen sie. Trump ist unzufrieden mit den Verhandlungen. Unzufrieden — das ist das diplomatische Wort für: eskalieren.
Beide Seiten senden widersprüchliche Signale. Garantien? Fehlanzeige. Die Verhandlungen drehen sich um die Straße von Hormuz und die Aufhebung der US-Blockade. Nicht um das nukleare Programm. Nicht. Merkst du, was hier weggelassen wird? Was fehlt, ist Absicht.
Mittendrin: der Libanon. Die Hisbollah. Bomben mit iranischem Kaliber. Verträge mit amerikanischer Tinte. Die Stahlwerke laufen. Das haben sie immer. Ich frage mich nur, für wessen Regiment.
Unklar bleibt, wer von diesem Patt profitiert. Die Rüstungsindustrie? Beide Regierungen? Wer den Preis zahlt, steht nicht in den Meldungen. Steht nie.