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Siebzehn Jahre grüne Liste — wer zahlt die Zeche

10. Juli 2026 — — — Ida Feuerbach

Die Liste ist grün. Die Methode dahinter ist es nicht. Was das Bundeskartellamt als illegale Preisabsprache wertet, war für den Agrarsektor jahrelang Geschäftsordnung. Von 1998 bis März 2015 koordinierten genossenschaftliche und privat organisierte Großhändler ihre Konditionen — angeblich zum Wohle des Marktes. In Wahrheit bestimmten sie ihn. Wer eine andere Marge wollte, bekam sie nicht. Wer sich fügte, bekam den Kunden. Wer sich wehrte, bekam die Wand.

Die Preise für Düngemittel wie Harnstoff sind inzwischen auf Rekordstände gestiegen. Konzerne wie K+S und Yara verzeichnen erhebliche Gewinne durch die Preisexplosion — Gewinne, die aus dem Acker gezogen werden, nicht auf ihm wachsen. ADM sitzt im Getreidehandel und erwartet weiterhin ein knappes Angebot. Knappheit ist für diese Häuser kein Risiko, sondern ein Geschäftsmodell. Der Landwirt steht mit dem leeren Düngersack und fragt sich, wie lange.

Russland hat den Export von Ammoniumnitrat beschränkt. Solche Verbote — illegale Preisabsprachen, Exportstopps — tragen zur Preissteigerung bei und beeinflussen die globale Versorgung. Kein Sturm, kein Zufall. Eine Kette, deren Glieder sauber ineinandergreifen: Konzern oben, Hof unten, Teller dazwischen leer.

Die betroffenen Unternehmen kooperierten mit dem Bundeskartellamt. Die Bußgelder fielen daraufhin geringer aus. Ein Pakt, der sich rechnet — solange das Unternehmen existiert. Doch diese Bußgelder könnten die Existenz einiger Handelsunternehmen gefährden und den Strukturwandel im Agrarhandel beschleunigen. Viele im Sektor halten die Bewertung der grünen Liste als illegale Preisabsprache für überzogen. Überzogen? Siebzehn Jahre Absprache. Wer das überzogen nennt, hat noch nie um seinen Preis gekämpft.

Unklar bleibt, welche Namen wirklich auf der Liste standen, welche Gewinne still gebucht wurden, welche Hände die Fäden hielten, während das Korn teurer wurde.

Was bleibt, ist Erde, die bezahlt, was keiner sieht.

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