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BRÜSSELS NETZ SCHLIEßT SICH UM WORDPRESS — AUCH JENSEITS DER GRENZEN

10. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Brüssel hat einen neuen Trick: das Gesetz kennt keine Landesgrenzen mehr. Der AI Act greift über — wer eine WordPress-Seite in Buenos Aires betreibt und europäische Leser bedient, fällt trotzdem unter EU-Recht. Auch der kleine Berliner Blog mit einem Plugin aus Ohio ist gemeint. Klingt wie ein technisches Detail. Ist es nicht. Es ist eine Verschiebung der Souveränität, verpackt in Compliance-Sprache.

Wer heute ein Plugin installiert, beginnt die Rechenarbeit. Risikoanalyse jedes Werkzeugs: Formulare, SEO, Cookie-Banner, Chat-Tools. Was fließt wohin? Welche Daten werden erhoben? Die Kosten tragen nicht die Konzerne. Der Plugin-Entwickler in Warschau, die Agentur in Lissabon, der Verlag in Wien tragen sie.

Für die ganz Großen hat Brüssel eigene Kapitel geschrieben. Sehr große Onlineplattformen unterliegen Artikel 36: Krisenreaktionsmechanismen müssen stehen. Artikel 39 zwingt zu zusätzlicher Werbetransparenz. Klingt vernünftig. Aber wer definiert die Krise? Wer prüft die Werbung? Die Plattformen melden selbst, die Kommission bewertet — ein System, das auf der Ehrlichkeit der Mächtigen baut.

Parallel sagt der DSA: keine allgemeine Überwachungspflicht. Artikel 8 schützt vor aktivem Durchkämmen — Privatsphäre bleibt gewahrt. Die Balance klingt sauber. Sie funktioniert nur, solange die Konzerne mitmachen und die Kommission wachsam bleibt.

Die DMA geht daneben härter vor. Alphabet, Amazon, Meta stehen namentlich im Text. Interoperabilität wird erzwungen, Marktmacht soll zerfallen. Das ist die offene Flanke der Tech-Giganten. Sie verlieren die Kontrolle über Datenflüsse.

Unklar bleibt, ob die neuen Pflichten — Inhaltsmoderation, Schutz von Minderjährigen, Transparenz — die Plattformen tatsächlich zähmen oder nur neue Bürokratie schaffen, die Große leichter tragen als Kleine.

Eine Plattform, die ich beobachte, geht einen anderen Weg: keine algorithmische Verstärkung von Trends. Suchergebnisse nach Abonnentenzahlen und geografischer Priorisierung. Telegram setzt auf KI-gestützte und manuelle Moderation, um DSA-Konformität zu wahren. Zwei Modelle. Beide Versuche auf dem schmalen Grat zwischen Regulierung und Geschäft.

Die Drähte summen weiter. Wer zuhört, hört: die Macht verschiebt sich — von Konzernen in Kommissionen. Ob das gut ist, hängt davon ab, wer am Ende die Kommission kontrolliert.

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