Die Lizenz zum Verschmutzen
Zehntausend Anlagen. Seit 2005. So steht es geschrieben. Der Emissionshandel der EU, geboren aus dem Versprechen, dass der Markt es schon richten wird. Cap and Trade. Klingt nach Saloon, ist aber Bürokratie. Das Prinzip ist einfach: Die Menge der verfügbaren Zertifikate muss unterhalb der prognostizierten Emissionsmenge liegen. Nur dann sinken die Abgase. Nur dann wird die Luft teuer.
Nur dann — wenn man es zulässt.
Denn was nutzt ein Deckel, wenn er ein Loch hat? Die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten ist nicht gezielt genug, um effektive Anreize für die Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu schaffen. Das ist kein Gerücht. Das ist Mechanik. Wer nichts zahlt für seinen Dreck, der filtert nicht. Der baut keinen Schornstein um. Der lobbyiert.
Und genau das passiert. Trotz Reformbemühungen profitieren viele Industriesektoren weiterhin von kostenlosen CO2-Zertifikaten. Lobbyarbeit. Hinter verschlossenen Türen, in Brüsseler Etagen, bei Empfängen mit Häppchen und Handschlag. Während draußen die Felder brennen und die Lungen schwer werden.
Der Preis, der durch Angebot und Nachfrage entsteht, hat direkte Auswirkungen auf die Produktionskosten energieintensiver Branchen. Das ist die Waffe des Systems. Wenn der Preis steigt, wird Sauberkeit billiger als Verschmutzung. So soll es funktionieren. Aber nur, wenn das Angebot knapp gehalten wird. Und genau da wird gespielt.
Zehntausend Anlagen in der EU und angrenzenden Ländern, und wer bei ihnen die Hebel zieht, steht selten auf der Titelseite. Eine gezieltere Verteilung könnte Vorteile bringen — für die Dekarbonisierung, für die öffentlichen Finanzen, für das Funktionieren des Binnenmarktes. Man könnte. Man tut es nicht.
Das System hat nicht nur die Emissionen reduziert, sondern auch positive Nebeneffekte auf die Luftqualität und die Gesundheit gezeigt. Soll heißen: Es funktioniert. Manchmal. Wenn man es lässt. Wenn man nicht auf die Lobby hört.
Die offene Frage bleibt: Wer in den Boardrooms der zehntausend Anlagen sitzt und warum das Limit nicht enger gezogen wird, obwohl die Mechanik es verlangt. Der Beweis liegt in den Zahlen. Der Täter sitzt am Verhandlungstisch.