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28 Prozent weniger. Und die Kinder zählen wir nicht mit

10. Juli 2026 — — — M. Silber

1937. Die Grenzen werden dichter. Ich zähle die Menschen davor.

Achtundzwanzig Prozent. So viel weniger werden die G7-Staaten bis 2026 an Entwicklungshilfe zahlen — die größte Kürzung seit Gründung der Gruppe, also seit einem halben Jahrhundert. Ich habe Formulare ausgefüllt, die Familien zusammenhielten. Heute werden sie zu Todesurteilen.

Ich kenne die Zahlen hinter den Zahlen. Wenn Ernährungsprogramme wegbrechen, sterben Kinder. Nicht irgendwann. Nicht in einer Statistik. Sie sterben in Lagern, in Transitländern. Die humanitären Folgen, sagen Berichte, werden schwerwiegend sein. Wer das unterschreibt, weiß das.

Die EU unterstützt die libysche Küstenwache. Das UN-Hochkommissariat kritisiert das. Die EU plant Rücknahmeabkommen mit Nigeria und Tunesien. Die EU spricht von Fortschritten. In den libyschen Lagern, so Berichte, werden Menschen misshandelt. Die EU hört das. Die EU macht weiter.

Wer profitiert? Ein Großteil der EU-Entwicklungshilfe fließt in Transitländer — nicht, um Menschen Würde zu geben, sondern um Migration nach Europa zu kontrollieren. Nur ein Bruchteil finanziert legale Migrationswege. Das ist keine Entwicklungspolitik. Das ist Grenzschutz im Mantel der Nächstenliebe.

Die Last ist ungleich verteilt. Nur acht von achtundzwanzig NATO-Staaten beteiligen sich aktiv an Einsätzen. Das erhöht den Druck auf die, die mitmachen. Wer schweigt, profitiert vom Schweigen.

In Berlin nutzt der Senat die Migrationskrise für eigene politische Zwecke. Versäumnisse werden überspielt, Leid instrumentalisiert. Das Muster ist immer dasselbe: Wer oben sitzt, entscheidet, wer ein Mensch ist und wer eine Zahl.

Mein Koffer steht unter dem Schreibtisch. Für alle Fälle. Wer einmal gesehen hat, wie ein Stift auf einem Formular ein Leben rettet — und wie seine Streichung eines beendet —, der weiß: Hier wird nicht nur Geld verteilt. Hier wird entschieden, wer zählt.

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