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KNOPFDRUCK FÜR CO2 — DOCH ACHTUNDFÜNFZIGTAUSEND DÜRFEN SCHWEIGEN

10. Juli 2026 — — — Doc Brenner, irgendwo im Staub

Es gibt Software, die rechnet den Atem der Erde in Zahlen. Der Thrust Carbon Calculator in SAP Concur verspricht genau das: automatisierte, rechtssichere Erfassung des CO2-Fußabdrucks. Ein Knopfdruck — und der Dreck wird Buchstabe. Schön für die Bilanzen, die nicht nach Rauch riechen, sondern nach Excel. Schön für jene, die Geschäftsreisen künftig mit einer Genauigkeit ausweisen, die niemand nachprüft. Die Maschine hat ja schon gerechnet.

Die CSRD — Corporate Sustainability Reporting Directive — verschärft die Berichterstattung über Scope-3-Emissionen erheblich, gerade über Geschäftsreisen. Klingt streng. Ist auch streng, auf dem Papier. Doch das Papier wurde kürzlich umgeschrieben. Listed SMEs und bestimmte Finanzholdings — vollständig befreit. Die Kriterien wurden so eng geschnürt, dass rund fünfundachtzig Prozent der ursprünglich Berichtspflichtigen aus der Pflicht fallen. Achtundfünfzigtausend Unternehmen, schätzt man, die jetzt schweigen dürfen.

Wer hat diese Axt angesetzt? Welche Lobby hat gefressen? Unklar bleibt, wer den Hebel zog. Klar ist nur, dass die Erde weiter ausatmet — während weniger Hände zählen, wie viel.

Gleichzeitig sitzen jene in der Schlinge, die bereits 2024 berichten mussten. Sie stehen vor Rechtsunsicherheit, weil die CSRD in ihrer ursprünglichen Form nicht umgesetzt wurde. Ihre Berichte sind geschrieben. Ihre Strafen drohen — Greenwashing, falsche Zahlen, hohe Bußen. Sie zahlen für ein Gesetz, das nie griff. Während die Ersten ab 2026 ihre Systeme stärken müssen, um neuen Standards zu genügen.

Die Technologie ist sauber. Die Regulierung ist es nicht. Wer das Werkzeug verkauft — SAP, Concur, Thrust Carbon —, verdient an jedem Knopfdruck. Wer die Lücke kauft, verdient an jeder Stunde, in der die Maschine schweigt.

Wasser findet seinen Weg. Auch durch die Ritzen, die wir ihm lassen.

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