Tote Tonnen, lebendige Konten
Die Pumpe läuft. Nur pumpt sie keine Wahrheit.
Das europäische Emissionshandelssystem ETS sollte die Luft sauberer machen. Stattdessen wird es zur Werkstatt für Fälscher. Verschiedene Akteure — Unternehmen, Netzwerke, politische Entscheidungsträger — handeln mit Zertifikaten, die nichts wert sind als das Papier. Überwachung versagt. Regulierung versagt. Weil die Gesetzeschreiber im selben Raum sitzen wie die Umgeher.
Gefälschte CO2-Zertifikate entstehen durch fehlerhafte, ausnutzbare Zertifizierungsprozesse. Klingt nach Bürokratie. Ist Diebstahl im Schlafanzug. Sie verzerren den Markt, erzeugen ein Trugbild von Nachhaltigkeit — während die Atmosphäre weiter vollgepumpt wird.
Ein CO2-Preis von 150 Euro pro Tonne könnte dem ETS bis 2032 rund 180 Milliarden Euro einbringen. Kein Klima-Instrument. Ein Tresor. Tresore ziehen Diebe an.
Die Industrie nennt die Reform unzureichend. Umweltschützer nennen sie Rückschritt. Beide haben recht — Beweis, dass hier niemand ehrlich verhandelt. Die Marktstabilitätsreserve wird reformiert, mehr Zertifikate freizugeben und Preisspitzen im ETS2 abzufedern. Übersetzung: Der Preis soll Konzernen nicht wehtun.
REDD+ obendrauf. Ein großer Teil der Gelder fließt in Projekte ohne nachweisbare Einsparungen. Die Berechnung basiert auf einem Referenzgebiet, das möglicherweise ein überhöhtes Abholzungsszenario darstellt. Möglicherweise. Das Wort, mit dem Manager Betrug verteidigen.
Die Anhörung im Umweltausschuss diskutierte rechtliche und politische Lösungen. Ausschüsse reden. Märkte handeln. Die Zertifikate wandern eine Akte weiter weg von der Realität.
Wer profitiert? Die Netzwerke. Die Prüfer. Die Politiker, die Reformen so zuschneiden, dass das Geschäft weiterläuft. Wer verschweigt? Die Prüfberichte. Die wahren Eigentümer. Unklar bleibt, wer die Zertifizierungsstellen kontrolliert. Unklar bleibt, welche Berater für welche Konzerne an den Reformen schreiben. Solange diese Fragen offen sind, läuft die Pumpe weiter.