Verboten in Basel, verkauft in Kisumu
Wer schreibt das Informationsblatt, wer liefert die Handschuhe? Diese Frage steht am Anfang jedes Feldes, das ich betrete. Ich bin auf einem Hof aufgewachsen. Ich weiß, wie eine Spritze riecht, bevor der erste Atemzug kommt. In Kenia wächst die Landwirtschaft, und mit ihr wächst der Einsatz von Glyphosat, Paraquat und Chlorpyrifos — Chemikalien, die in der Schweiz längst vom Acker gehören. Die Syngenta-Stiftung verkauft sie trotzdem. Sie druckt Merkblätter über Schutzmaßnahmen. Sie liefert die Handschuhe nicht.
Das ist der Kern. Ein Blatt Papier schützt keine Hand, die es greift. Die Petition, die jetzt durch die Gerichte geht, benennt es klar: Die fortgesetzte Verwendung dieser Stoffe verletzt die Gesundheitsrechte der Kenianer. Sie kritisiert nicht nur die Chemie, sondern die Architektur des Schweigens — die unzureichenden Schutzmaßnahmen, die fehlende Transparenz bei der Zulassung. Eine Klage richtet sich gegen Agrochemieunternehmen und staatliche Stellen gleichermaßen, gegen jene, die den Einsatz ermöglichen, und jene, die ihn genehmigen.
Unklar bleibt, wer in welcher Kette den ersten Handschlag tut — die Stiftung, die das Gift liefert, oder die Behörde, die es durchwinkt. Die Syngenta-Stiftung betreibt Forschung an umweltfreundlicheren Pflanzenschutzmitteln. Sie gibt das selbst zu, sie plant weitere Investitionen, während das Verbot im eigenen Land gilt. Forschung als Alibi, Labor als Spiegel. Chlorothalonil hat ein Gericht bereits als Risiko für aquatische Ökosysteme und öffentliche Gesundheit benannt. Das Urteil liegt vor. Die Anwendung auf kenianischen Feldern geht weiter. Was in der Schweiz Äcker rettet, soll in Kenia nur Absatzmärkte öffnen.
Das Bewusstsein über die Folgen ist dünn gesät. Bauern greifen zur Spritze, weil das Merkblatt sagt, es sei sicher. Es steht nicht dabei, dass keine Handschuhe mitgeliefert werden. Alternativen existieren — im Papier, in den Versuchsstationen, in den Reden der Stifter. Auf dem Feld sieht man sie nicht. Monokulturen treiben den Pestizideinsatz in die Höhe: jede Pflanze einheitlich, jede Seuche ein Massenereignis, jede Sprühung ein Gewinnposten auf einer Bilanz, die anderswo geschrieben wird.
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