Drohnen im 911-Netz: Motorola und Brinc kaufen sich den Notruf
Die Drähte summen. Motorola Solutions und Brinc Drones haben sich zusammengetan, um Polizeidrohnen in die 911-Notrufzentralen zu hängen. Reaktionszeiten sollen sinken. Such- und Rettungseinsätze sicherer werden. Krisen schneller bewältigt. Klingt sauber. Riecht nach Lötzinn und Geld.
Brinc hat sich 75 Millionen Dollar frisches Kapital geholt. Gesamtinvestment nun 157,2 Millionen. Irgendwer glaubt fest an diese Zukunft. Die Frage ist nur: wessen Zukunft.
Ich höre zwei Frequenzen. Die eine sagt: Drohnen retten Leben. Die andere sagt: Wer kontrolliert das Netz. Motorola liefert die Notruf-Infrastruktur — Funksysteme, Software, Leitstellen. Brinc liefert die Augen in der Luft. Wer beide Glieder der Kette besitzt, besitzt die Antwort auf den Hilferuf.
Und hier wird es still. Denn wer entscheidet eigentlich, was eine Polizeidrohne darf. Das ordentliche Gesetzgebungsverfahren verlangt Rat und Parlament, die Kommission hat das Initiativrecht. Ausschließliche Zuständigkeit der EU gibt es bei Zollunion und Währung. Bei innerer Sicherheit? Geteilte Zuständigkeit mit den Mitgliedstaaten. Ein Flickenteppich aus 32 Politikbereichen, in dem nicht jeder Rechtsakt überhaupt zusammengefasst wird. Lücken kennen keine Grenzen.
Wenn jetzt Motorola und Brinc eine geschlossene Plattform bauen — Notruf rein, Drohne raus — dann schließen sie eine Lücke, die der Gesetzgeber offen gelassen hat. Sie schreiben das Protokoll, nicht das Parlament. Sie definieren, welche Drohne wann abhebt, welche Kamera was filmt, welche Tür aufgeht.
Ich übersetze: Wer das Protokoll schreibt, schreibt die Regeln. Wer die Regeln schreibt, bestimmt, wer fliegt — und wer nicht.
Der weltweite Rollout zeigt das Muster. Nicht jede Behörde wird gefragt, ob sie fliegen will. Sie wird gefragt, ob sie verzichten will.
Unklar bleibt, welche Leitstellen bereits unterschrieben haben und welche Aufsichtsgremien je in den Vertrag blicken durften. Unklar bleibt, wer haftet, wenn die Drohne ins Falsche fliegt.
Die Drähte summen weiter. Ich höre zu.