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Zertifikate futsch, Industrie auf der Flucht

11. Juli 2026 — — — Hollis

Mitte der dreißiger Jahre. Das ist der Punkt, an dem die Bürokratie in Brüssel sich selbst den Hahn zudreht – mangels Masse. Klingt abstrakt? Ist es nicht. Wer am Hochofen steht, wer Kalk brennt, wer Zement mischt, der weiß: Der EU-Emissionshandel ETS 1 erhöht die Produktionskosten in der EU schneller, als klimaneutrale Alternativen verfügbar sind. Das ist kein Klimaappell, das ist ein Standortbefehl nach draußen.

Ungefähr 9.000 Anlagen in der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie stecken in diesem System. Sie verursachen fast 40 Prozent der europäischen Treibhausgasemissionen. Klingt nach viel Verantwortung. Ist es auch. Das EU-ETS ist das weltweit größte Emissionsrechtehandelssystem überhaupt – 40 bis 45 Prozent der EU-Emissionen laufen darüber, festgezurrt durch das Cap-and-Trade-Prinzip: Der Staat setzt eine Obergrenze, der Handel mit den Rechten soll den Ausstoß nach unten drücken.

Die Idee ist alt, der Versuch ehrlich. Durch politische Reformen sind die Preise seit 2018 gestiegen, das System wirkt. Aber genau da liegt der Haken: Wenn die Zertifikate knapp werden, wandert die Produktion. Dorthin, wo kein Cap existiert. Dorthin, wo kein Preis bezahlt wird. Das ist kein Klimaschutz, das ist eine Verlagerung der Verschmutzung – mit europäischem Stempel.

Der nationale Emissionshandel, nEHS, macht es anders – anfangs feste Preise, später Markt. Klingt nach mehr Plan, weniger Spekulation. Doch bleibt offen, wer davon profitiert, wenn die Preise politisch gesetzt werden statt durch Knappheit. Wer kontrolliert dann den Preis? Wer schreibt ab?

Solange ETS 1 die Kosten hochfährt, ohne dass grüne Technik in der Breite steht, fließt Stahl aus Polen ab, Zement aus Spanien, Düngemittel aus Deutschland. Die Konzerne bleiben, der Dreck zieht weiter. Was bleibt, ist ein System, das wirkt, solange Zertifikate da sind. Und ein Cliff in den Dreißigern, an den niemand laut denkt. Oder an den alle denken – nur nicht laut.

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