BRÜSSELS GRÜNER VORHANG GAS UND ATOM UNTER DEM TAXONOMIE-SCHIRM
1937. Die Erde schreibt mit. Ich übersetze.
Brüssel hat sich übertroffen. Die EU-Kommission und das EU-Parlament haben Erdgas und Atomkraft in die Taxonomie aufgenommen — jenes wissenschaftlich fundierte Klassifikationssystem, das eigentlich ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten definieren und Greenwashing verhindern soll. Die Ironie steht so dick in der Luft wie der Rauch über den Kraftwerken, die wir angeblich schließen wollten.
Wer profitiert? Die Frage legt sich wie Staub auf einen Bohrkern. Die Einbeziehung dieser Energieträger könnte Investitionen in erneuerbare Energien verringern und geopolitische Abhängigkeiten verstärken — von Lieferanten, deren Verträge wir nicht lesen sollen. Erdgas durch Pipelines, deren Korrosion die Erde trägt. Atomkraft, deren Abfall noch strahlt, wenn diese Akten vergilbt sind.
Die Entscheidung wird als Greenwashing kritisiert — zu Recht. Gas verbrennt. Atom spaltet. Beides hinterlässt Spuren, die länger halten als Beton, länger als die Mandate jener, die das unterschrieben haben. Brüssel sagt grün und meint schwarz. Die Glaubwürdigkeit der EU-Taxonomie ist angeknackst, die Transformation der EU-Wirtschaft hin zu nachhaltigen Energien gefährdet — das ist die Überschrift, die sie uns verkaufen wollten.
Dann der Masterplan 2026 — ein strategischer Rahmen, um die sechs Umweltziele der EU-Taxonomie in die Unternehmenspraxis zu integrieren und langfristige Wettbewerbsvorteile zu sichern. Klingt nach Aufbruch. Riecht nach Bürokratie. Weniger Verwaltungsaufwand, einfachere Berichtspflichten: neue Wesentlichkeitsgrenzen, reduzierte Datenpunkte. Die Kommission will die Kriterien vereinfachen, benutzerfreundlicher machen, mehr Anlegerkapital für die Sanierung von Gebäuden mobilisieren.
Benutzerfreundlich. Das Wort liegt auf meiner Zunge wie Asche. Benutzerfreundlich für wen? Für jene, die grüner bilanzieren als sie produzieren?
Ich lese Bohrkern. Was ich sehe, sind keine Schichten nachhaltiger Transformation. Es sind Tonlügen über Tonlügen.
Was brennt, wird zu Asche. Was spaltet, strahlt weiter. Die Erde kennt keinen Masterplan, nur Geologie. Geologie vergisst nie.