GEO-MVA und die Geographie der Verwundbarkeit
Der Name klingt nach Landkarte. Ist er auch. GeoVax, ein Hersteller aus Atlanta, zeichnet mit seinem Vakzinkandidaten GEO-MVA eine neue Grenzlinie in das Strategic National Stockpile der Vereinigten Staaten — jenes Lager, das vor Pocken, Milzbrand und dem Schlimmsten schützen soll, was Labore und böse Absicht hergeben können.
Die Lücke, die dieser Kandidat schließen will, ist keine technische. Sie ist geographisch. Amerika, der Kontinent der Impfstoff-Erfinder, besitzt heute keine eigene Produktionskapazität für MVA-basierte Biodefense-Vakzinen. Man verlässt sich auf einen einzigen ausländischen Hersteller. Ein einziger. Das ist keine Strategie. Das ist eine Wette auf das Wohlwollen eines einzelnen Lieferanten.
Der Kongress hat das erkannt und handelt. Eine Sammlung neuer Bestimmungen soll die Biotechnologie als Säule der Verteidigungspolitik institutionalisieren — Forschung, Produktion und ethische Richtlinien unter einem Dach. Ein Biotechnology Management Office im Pentagon hält den Faden. Das DOD erhält den Auftrag zu einer jährlichen Roadmap: Barrieren, Arbeitskräftebedarf, internationale Zusammenarbeit. Soweit die Architektur.
Nun die Frage, die der Ermittler stellt. Wer hat das Schweigen bezahlt, das diese Abhängigkeit so lange deckte? Das Wort vom nationalen Sicherheitsrisiko wird plötzlich sehr konkret, wenn ein Erzeugerland den Hahn zudreht. Der Geheimdienstapparat soll eine schnelle Bewertung der Biotechnologie in China liefern — Lieferkettenverwundbarkeiten besonders im Fokus. NATO-Verbündete werden eingebunden. Die Überwachung der biotechnologischen Fortschritte Chinas gerät zur Daueraufgabe.
GEO-MVA tritt an, diese Lücke zu schließen. Ein MVA-basierter Kandidat, inländisch produziert. Das klingt nach Schließung. Wird es auch — wenn das Unternehmen liefert, was der Kongress versprochen hat: Skalierung, Zulassung, Beständigkeit.
Doch wer profitiert, wenn aus einer Abhängigkeit von einer Hand eine Abhängigkeit von einer anderen wird, nur mit Sternenbanner auf dem Etikett? Die Biotechnologie entscheidet über künftige Verteidigungspolitik. Das ist richtig. Fragwürdig bleibt, was die jährliche Roadmap misst und was sie ausspart.
Wer kontrolliert die Pipelines, wenn die Politik längst weitergezogen ist?