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LEERE KASSEN, VOLLE NADELN

11. Juli 2026 — — — Dr. L. Rath

Die Zettel liegen auf dem Tisch. Hohe Short-Positionen, institutionelle Skepsis – so nennt die Börse es, wenn das große Geld seine Wette gegen ein Unternehmen richtet. Moderna, einst der Liebling der Pandemie, ist heute der Prügelknabe der Analysten. Wer seine Bücher kennt, weiß warum: Das Haus hängt am Covid-Impfstoff wie ein Trinker an der Flasche. Und die Flasche wird leerer.

Die Diagnose ist unbequem. Moderna muss sich lösen, sagt der Markt, muss eine diversifizierte Pipeline entwickeln, soll langfristig erfolgreich sein. Wer das „langfristig" hört, soll nicht glauben, es sei ein Versprechen. Es ist eine Frist. Die Quartalsberichte erzählen den Rest: Ohne die Pandemienachfrage bröckelt der Umsatz, die Margen schmelzen, die Institutionen shorten.

Doch dann kommt das Labor. Phase-3-Studien von Biontech und Moderna könnten bald zur Zulassung von mRNA-basierten Krebstherapien führen. mRNA-Impfungen werden untersucht, um das Immunsystem gegen Krebszellen zu aktivieren – derselbe Mechanismus, der gegen Viren arbeitet, nun gegen den eigenen Körper gerichtet. Die Studie zeigt eine langfristige Wirksamkeit der Immunantwort. Was die Anleger erfreut, sollte die Patienten erleichtern.

Moderna präsentiert vielversprechende Ergebnisse für mRNA-4157. In Kombination mit Keytruda – jenem Blockbuster von Merck, der seit Jahren die Onkologie dominiert – sinkt die Rückfallrate bei Hochrisiko-Melanom-Patienten signifikant. Hier wird es interessant: Wer sitzt im Aufsichtsrat? Wer finanziert die Studie? Die Kombination zweier Giganten, einer mit der Plattform, der andere mit dem Schlüssel. Wer hat das Patent? Wer den Profit?

Die mRNA-Technologie hat einen Vorteil, den keine Pille bietet: Sie lässt sich anpassen wie ein Maßanzug. Neue Varianten, neue Sequenzen – Moderna reagiert schnell. mRNA-1273.214 zeigt eine hohe Antikörperantwort gegen Omicron-Varianten. Schnelligkeit ist ein Wettbewerbsvorteil. Sie ist auch ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber herkömmlichen Impfstoffen.

Die Frage bleibt: Glauben die Märkte dem Labor mehr als der Bilanz? Die Short-Positionen sagen nein. Sie sehen strukturelle Probleme – die Abhängigkeit, die leere Pipeline jenseits von Covid, die Kosten der Forschung. Die Onkologie-Studien sagen ja. Sie sehen eine Zukunft, in der Moderna nicht mehr der Impfstoffriese ist, sondern der Krebsimpfstoff-Pionier.

Zwischen diesen beiden Bewertungen liegt der wahre Wert. Wer ihn hebt, entscheidet sich zwischen Wette und Wissen. Die Indikation steht. Die Diagnose ist offen.

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