KIEW BEKOMMT WENIGER — ELF MILLIARDEN GEHEN WOANDERS HIN
Von 8,15 auf 1,14. Das ist kein Rundungsfehler. Das ist eine Entscheidung.
Die Ukraine hat 2025 Rüstungsgüter im Wert von 1,14 Milliarden Euro erhalten. Im Jahr zuvor waren es noch 8,15 Milliarden. Ein Rückgang um 86 Prozent. Wer jetzt sagt, das sei Entspannung, der hat die Lieferlisten nicht gelesen.
Was geliefert wurde: gepanzerte Kampffahrzeuge. Artilleriesysteme. Material, das man nicht für Paraden bestellt. Die offiziellen Worte lauten Selbstverteidigung. Ich sage: das ist eine Vokabel, hinter der sich Zivilisten verstecken.
Aber schauen wir auf die andere Seite der Bilanz. Die Bundesregierung hat Genehmigungen für Rüstungsexporte im Wert von knapp 11 Milliarden Euro erteilt. Elf. Milliarden. Die Ukraine ist Hauptempfänger — ja. Aber sie ist nicht der einzige. Die Türkei ist 2025 das zweitgrößte Empfängerland deutscher Rüstungsexporte. Das war nicht immer so. Die Exportgenehmigungen wurden gelockert. Man schreibt es nicht groß. Aber man genehmigt es.
Drittländer haben fast eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr erhalten. Während Kiew weniger bekommt, fließt Stahl woanders hin. Wohin genau? Unklar bleibt, an wen genau die Verdopplung geht — die allgemeinen Genehmigungen wurden eingeführt, um Verwaltungsprozesse zu beschleunigen. Klingt nach Bürokratieabbau. Klingt nach: weniger Kontrolle.
62 Anträge wurden abgelehnt. Pakistan, Thailand, Malaysia. Die Liste sagt: hier wurde geprüft. Aber 62 Ablehnungen bei elf Milliarden bewilligter Exporte — das ist kein Filter, das ist ein Vorhang. Ein dünner, durchsichtiger Vorhang, der so tun soll, als würde jemand hindurchsehen.
Die Struktur bleibt. Auch wenn die Zahl für Kiew sinkt. Die Fabriken laufen. Die Verträge sind unterschrieben. Die Einzelfallprüfung existiert — als Ritual. Als Alibi.
Und ich sitze hier an meinem Schreibtisch und zähle: Divisionen, Kaliber, Fabriken, Verträge. Und hoffe, dass ich falsch liege.