Ein Büro namens NBCO — und seine Schlüssel
Washington schlägt ein neues Büro vor. Das National Biotechnology Coordination Office soll koordinieren, was bisher niemand koordinieren wollte. Wer profitiert? Wer zahlt? Und warum ausgerechnet jetzt?
Der National Security Commission on Emerging Biotechnology — ein Name wie ein Tresor, schwer zu öffnen, noch schwerer zu verstehen — präsentiert den NBCO als Antwort auf eine Abhängigkeit, die niemand genau beziffern kann. Ausländische Medikamente, amerikanische Patienten, chinesische Konkurrenz. So lautet das Dreieck, in dem sich nationale Sicherheit und Wirtschaftskraft neu sortieren sollen.
Die Logik ist bestechend: Wer Biotechnologie kontrolliert, kontrolliert die nächste Pandemie, die nächste Therapie, das nächste Patent. China als Wettbewerber ist keine Erfindung — Peking investiert, lockt, kauft. Doch bleibt die Frage: Koordiniert ein neues Büro eine Industrie — oder schafft es nur eine weitere Adresse, an der sich Forscher treffen, die sich ohnehin treffen?
Aus solchen Konferenzen werden Vorschläge geboren. Sie leben von Zusammenarbeit und Networking unter Fachleuten, von Workshops, interaktiven Diskussionen mit führenden Experten, von praxisnahen Strategien gegen komplexe Regulierungsfragen. Man tauscht Visitenkarten, tauscht Bedenken, vor allem das vage Versprechen künftiger Standards — Standards, die Wissenschaftler, Gemeinden und Umwelt schützen, ohne Forschung unnötig einzuschränken. Das Wort ‚unnötig' öffnet jede Tür, die geschlossen werden müsste.
Hochsicherheitslabore gelten als unverzichtbar — neue Wege gegen Mikroben, angesichts der hohen Prävalenz von Infektionskrankheiten. Was nie gesagt wird: welche Mikroben, welche Wege, welche Risiken. Ein Büro, das koordiniert, kontrolliert auch, wer Zugang erhält. Wer bleibt draußen?
Ich habe zu viele Kommissionen gesehen, die mit großen Namen begannen und mit kleinen Ergebnissen endeten. Das NBCO mag notwendig sein — oder ein weiteres Möbelstück im Flur der Bürokratie. Wer also hält am Ende den Schlüssel?