KI HÖRT MIT: DATEN WERDEN ZU MÜNZEN
Die Drähte summen. Diesmal nicht Morse, nicht Hertz — sondern Algorithmen, und sie sind nicht so leicht zu entziffern. Was sich als Bequemlichkeit verkauft, ist buchstäblich Ware: Jede Eingabe, jeder Klick, jeder Atemzug vor der Kamera wird gemessen, gewogen, in Profile verpackt.
Die Kontrolle durch KI-Systeme greift tiefer, als es die Werbung der Konzerne zugeben will. Die Bedenken, die jetzt durch die Zeitungen geistern, kommen nicht von ungefähr. Sie kommen aus den Rechenzentren selbst, von Ingenieuren, die wissen, was sie bauen — und manchmal, was sie besser nicht gebaut hätten.
Das Bewusstsein wächst. Endlich. Politiker reden von Regulierung der Großen, von Zähnen für die, die bislang ohne Schmerzen operierten. Aber mal ehrlich: Wer schreibt die Regeln, wer zahlt die Lobbyisten, wer zieht die Fäden hinter der Regulierung? Unklar bleibt, ob die Regulierung die Macht bricht oder nur deren Form ändert.
In den Konzernen wird KI eingebaut wie damals die Elektrizität — überall, sofort, selten mit Sicherung. Datenabfluss? Unautorisierter Zugriff? Wer fragt schon nach der Sicherung, wenn das Licht so hell brennt. Die Strukturen fehlen. Jedenfalls dort, wo die Profite fließen.
Staatliche Akteure und Kriminelle teilen sich längst die Werkzeuge. Leistungsfähige KI für Angriffe, gestohlen oder gekauft. Die digitale Souveränität Europas ist dabei ein hohles Wort auf einer Münze, die niemand mehr prägt. Die Drohnen an den Grenzen sind nur das Sichtbare — das Unsichtbare ist es, was uns beunruhigen sollte.
Führungskräfte und Militärs warnen selbst. Das ist bemerkenswert. Wer das eigene Geschäft kennt, kennt auch den Schaden unbegrenzter KI-Nutzung. Internationale Regulierung wird gefordert. Gefordert, nicht durchgesetzt. Der Abstand zwischen Forderung und Tat ist der Raum, in dem die Unfälle passieren.
Die EU baut einen Drohnenwall. Gesetze werden angepasst, Abwehrsysteme aus KI entwickelt. Notwendig. Aber eine Maschine, die eine andere Maschine jagt, löst nicht das Grundproblem: Wer kontrolliert die Jäger? Die massive Produktion von Drohnen läuft auf Hochtouren — eine Industrie, die Überwachung als Geschäftsmodell entdeckt hat. Überwachungskapitalismus, nennen es die einen. Notwendige Sicherheit, nennen es die anderen. Die Wahrheit liegt in den Bilanzen.
Was bleibt: Jede Information, die ich tippe, geht durch Hände, die ich nicht kenne, zu Zwecken, die mir nicht gesagt werden. Die Frequenz ist heute leiser als 1937 — aber sie trägt weiter.