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FABRIKATIONEN: WENN STUDIEN LÜGEN UND BEHÖRDEN WEGSEHEN

11. Juli 2026 — — — Dr. L. Rath

Ein Name steht in der Akte wie ein blutiger Abdruck: Scott Reuben. Anästhesist. Ein Mann, der über Jahre Daten erfunden hat — Dutzende Studien, die nie stattfanden, Ergebnisse, die kein Patient jemals lieferte. Schmerzmittelwirkung, erfunden am Schreibtisch. Die Integrität der wissenschaftlichen Forschung? Zertrümmert. Die Konsequenz? Gefängnis. Die Frage bleibt: Wer hat weggesehen? Wer hat die gefälschten Daten zitiert, weitergetragen, in Leitlinien gegossen?

Reuben ist ein Symptom. Pfizer zeigt das Muster daneben: Neurontin, ein Mittel gegen Epilepsie, wurde mit unethischen Marketingstrategien für nicht zugelassene Anwendungen verkauft. Die Folgen für Patienten? Schwerwiegend. Die Folgen für Pfizer? Ein Vergleich. Weiter im Geschäft.

Die Akte zeigt mehr. Fingolimod, Atomoxetin, Lecigon — zurückgerufen. Zeldox in verschiedenen Formulierungen wiederholt zurückgerufen, ein hartnäckiges Problem bei Herstellung oder Qualitätskontrolle. Augentropfen, Schmerztabletten, Injektionslösungen — eine breite Palette von Produktionsproblemen. Häufigkeit und Vielfalt der Rückrufe deuten auf systemische Probleme in der Qualitätssicherung oder Lieferkette.

Wer entscheidet über die Rückrufebene? Firmen und Behörden, in enger Abstimmung, Patientensicherheit im Vordergrund. Schön formuliert. Rückrufe können eigenverantwortlich von Firmen erfolgen — oder von Behörden angeordnet werden. Das BfArM darf seit 2019 in dringenden Fällen selbst anordnen. Dass es diese Befugnis brauchte, sagt viel. Dass sie selten genutzt wird, sagt mehr.

Die Struktur trägt es. Behörden, die mit der Industrie „eng abstimmen" — ein Wort, das nach Partnerschaft klingt und nach Komplizenschaft schmeckt.

Unklar bleibt, wie viele gefälschte Studien noch in Archiven schlummern. Unklar bleibt, welche Aufsichtsräte welche Prüfungen verhinderten. Was bleibt, ist die Diagnose: Die pharmazeutische Industrie hat ein Qualitätsproblem. Nicht nur in den Laboren. In der Moral.

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