ERHÖHTE BEREITSCHAFT, ERHÖHTE BEHAUPTUNGEN
Die Nato hat ihre Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und plant, ihre Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Man darf das zweimal lesen, weil es zwischen den Zeilen nach dreimal schmeckt. Stoltenberg, dessen Name einst in Genfer Korridoren für Verlässlichkeit stand, warnt vor der Möglichkeit, dass Russland chemische Waffen in Operationen unter falscher Flagge einsetzen könnte. Eine Möglichkeit. Ein Konjunktiv. Eine Behauptung, die sich selbst noch nicht kennt und trotzdem bereits Politik macht.
Was hier verteidigt wird, ist nicht zuerst das Bündnisgebiet, sondern eine Erzählung. Die US-Behörden veröffentlichen Geheimdienstinformationen, um Russland von einer Desinformationskampagne abzubringen — das Mittel erklärt sich zum Zweck, der Zweck versteckt sich im Mittel. Wer profitiert? Jene, die im Vorgriff die Erklärung bereits besitzen.
Laridschani sagt, Israel und die USA inszenierten möglicherweise Drohnenangriffe, um sie Iran und der Achse des Widerstands zuzuschreiben. Russland und andere weisen die Vorwürfe zurück und beschuldigen die USA, unbewiesene Behauptungen zu verbreiten. Die Choreographie ist bekannt: A wirft, B weist ab, A zeigt Dokumente, B verlangt Beweise, A zeigt weitere. Es wird berichtet, dass Russland Desinformation verbreite, um eine Intervention zu rechtfertigen und Spaltungen in der Ukraine zu fördern; gleichzeitig, so Washington, lägen Informationen über eine russische Operation unter falscher Flagge im Osten der Ukraine vor. Die Behauptung steht in beiden Richtungen, fast höflich.
Unklar bleibt, welche Geheimdienstinformationen geprüft sind und welche nur zur Veröffentlichung reiften. Unklar bleibt auch, warum die Alarmbereitschaft gerade jetzt kommt, da die Bühne ohnehin von Behauptungen gefegt wird. Die Handschuhe bleiben an. Aber man notiert, wessen Stimme sich hebt, sobald die Karten gemischt sind — und wessen Hand dabei unter dem Tisch verschwindet.