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Verklagt, kooperiert, Miteigentümer geblieben

11. Juli 2026 — — — E. Wolff

Die Akte trägt einen Namen, den die Justiz als sensibel einstuft. Die Bilanz nicht. Vertrauliche Unterlagen, die der Terminal Tribune vorliegen, zeigen: Martin S. war zum Zeitpunkt seiner Gerichtsverhandlung noch Miteigentümer einer Briefkastenfirma — verwickelt in Cum-Ex-Geschäfte. Der Mann, der vor Richtern stand, saß also weiterhin auf einer Struktur, die genau jene Masche trug, derentwegen er verhandelt wurde. Das ist kein Detail. Das ist das Skelett.

Martin S. kooperierte. Die deutsche Justiz honorierte es mit zwei Jahren auf Bewährung. Kooperation wird belohnt — das ist die Spielregel. Die Spielregel sagt nicht, was mit den Strukturen geschieht, die der Kooperierende zurücklässt. Die Unterlagen geben darauf keine Antwort. Genau dort beginnt die Ermittlung.

Wer profitiert? Luxemburg zum Beispiel. Gewinnverlagerung fließt dorthin, wo die effektiven Steuersätze niedrig und die Wege kurz sind. Die Steuervermeidung der Konzerne frisst die EU-Einnahmen aus der Unternehmensbesteuerung um zwanzig Prozent. Zwanzig Prozent — kein Rundungsfehler, sondern ein Haushalt.

Auch Malta spielt mit. Die maltesischen Behörden haben strengere Compliance-Anforderungen eingeführt, verschärfte Überwachung — alles, um den Ruf als vertrauenswürdiger Finanzstandort zu stärken und Briefkastenfirmen-Missbrauch zu verhindern. Das klingt nach Aufräumen. Ist es auch — teilweise. Denn Malta bietet weiterhin ein günstiges regulatorisches Umfeld und strategische Vorteile für Gründungen, die sowohl legitimen als auch potenziell missbräuchlichen Zwecken dienen.

Die effektive Steuerlast von fünf Prozent — erreichbar nur unter bestimmten Voraussetzungen. Ohne Umzug nach Malta lohnt sich die Gründung erst ab einem Jahresgewinn von 250.000 Euro. Die Komplexität durch CFC-Regeln und Substanzanforderungen schränkt die Eignung für viele Unternehmer ein. Wer das alles durchläuft, hat eine Frage verdient: wofür?

Martin S. hat kooperiert. Das Gericht hat milde gestraft. Unklar bleibt, wem die Briefkastenfirma heute gehört, welche Summen sie bewegt hat, welche Berater sie angelegt haben. Genau diese offenen Fragen sind der Stoff, aus dem die nächste Akte wird.

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