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Norfolk-Projekte: RWE greift zu. Vattenfall verkauft. Die See wird umverteilt

12. Juli 2026 — — — Hollis

1937. Jemand dreht den Hahn auf. Jemand dreht ihn zu. Beides kostet Leben.

Heute sind es keine Ölhähne mehr. Heute sind es Windräder. Doch das Prinzip bleibt dasselbe: Wer das Kapital hat, entscheidet, wo die Mühle steht. Und wer am Ende den Sturm erntet.

RWE schluckt die Norfolk-Projekte von Vattenfall. Strategische Expansion, heißt es. Engagement im Bereich erneuerbarer Energien. Klingt nach Aufbruch. Riecht nach Konzern.

Vattenfall war mal schwedisch, mal staatlich, mal gemeinwohlorientiert. Jetzt verkauft der Konzern Offshore-Wind in der Nordsee an einen deutschen Stromriesen. Warum? Die Antwort steht nicht in der Pressemitteilung. Steht selten.

Was feststeht: RWE macht ernst. Die Zusammenarbeit mit Vestas zeigt die Richtung. Industrialisierte Massenfertigung, Mega-Windturbinen. Deutschland hat den Stillstand in der Offshore-Windenergie überwunden — mit Kaskasi, mit Arcadis Ost 1. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat Pläne veröffentlicht: 30 Gigawatt bis 2030, 70 Gigawatt danach. Zahlen wie Versprechen. Zahlen, die Geld kosten. Viel Geld.

Hier wird die Sache heikel. Die FEED-Phase — Front-End-Engineering. Klingt nach Aktenarbeit. Ist der Moment, wo Weichen gestellt werden. Sie verbessert Kostenschätzungen und Terminpläne, legt technische Anforderungen und Schnittstellen zwischen Anlagen fest. Klingt gut. Doch unklare Spezifikationen in dieser Phase? Verzögerungen. Anpassungen. Neubauten. Das kostet. Immer.

Die Wahl des Fundaments — Monopile, Jacket, Schwimmfundament — entscheidet über die Wirtschaftlichkeit eines jeden Offshore-Windprojekts. Wer hier falsch plant, versenkt Millionen im Meeresboden. Wer richtig plant, kassiert über Jahrzehnte.

Die Effizienz von Offshore-Windparks hat sich durch technologische Fortschritte erhöht. Trägt zur Erreichung globaler Klimaziele bei. Schön. Aber Effizienz für wen.

Die offene Frage: Wer profitiert wirklich von der 70-Gigawatt-Expansion? RWE sicher. Vestas sicher. Die Anleger. Die Energiekonzerne. Was bleibt für die Küstengemeinden, für die Fischer, für das Meer selbst? Unklar bleibt, wer die Rechnung bezahlt, wenn die Turbinen altern und der Rückbau beginnt. Über die Betriebszeit redet jeder. Über die Zeit danach redet niemand.

RWE hat verstanden, wie das Spiel läuft. Vattenfall hat verstanden, wann man aussteigt. Die Nordsee wird nicht umverteilt. Sie wird besetzt. Von denen, die das Kapital dazu haben.

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