Was im Reagenzglas von Wuhan wirklich geschah
Die Wissenschaft nennt es Gain-of-Function. Ich nenne es, was es ist: ein gezielter Eingriff, der ein Virus lehrt, menschliche Zellen besser zu öffnen. Am Institut für Virologie in Wuhan — dem WIV, einer Kaderschmiede für die gefährlichsten Pathogene — wurde solche Forschung betrieben. Forschung, die das Virus übertragbarer für Menschen machen sollte. Ob sie es wurde, ob ein Behälter zu Bruch ging oder ein Mitarbeiter unvorsichtig war, das genau ist die Frage, welche die Mächtigen seit drei Jahren nicht laut aussprechen.
Meine Pfeife glost. Ich blättere weiter.
Die WHO-Mission, abgestellt in Wuhan und weiteren Orten Chinas, spricht von Komplexität und langwierigem Prozess. Das ist die diplomatische Umschreibung für: Man lässt uns nicht in die Archive. Internationale Wissenschaftler kritisieren seit Jahren die Sicherheitsvorkehrungen und die Ausbildung der Mitarbeiter im Institut. Ein Labor der höchsten Risikoklasse, das mit den gefährlichsten Erregern hantiert — und ein Personal, dessen Qualifikation westliche Gutachter bezweifeln.
Was als Verschwörungstheorie galt, hat sich verändert. Neue Dokumente, neue Berichte. Der deutsche Geheimdienst BND und weitere Quellen stützen zunehmend die These eines Laborunfalls in Wuhan. Die Bundesregierung unter Olaf Scholz hat eine Überprüfung der Erkenntnisse angeordnet, während ein US-Bericht zur selben Stunde betont, keine schlüssigen Beweise gefunden zu haben. Eine aufschlussreiche Asymmetrie: hier Nachdruck, dort Bequemlichkeit.
Wer profitiert? Wer verschweigt? Welche Struktur trägt es? Die Spurensicherung verliert sich dort, wo Peking Archive versperrt. Unklar bleibt, welche Petrischale das Virus klüger gemacht hat — und wer dafür die Verantwortung trägt.