Die unsichtbare Front: Wie Cyberangriffe das Fundament der Demokratie untergraben
Man zeigt Ihnen die Bühne. Man präsentiert Lösungen, nennt sie mehrschichtig, nennt sie OPSWAT, nennt sie Abwehr. Man lässt Lichter über Leinwände wandern, während irgendwo ein Server kaltgestellt wird, der ein Kernkraftwerk hätte steuern sollen. Die Angriffe zielen darauf ab, das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Regierung zu erschüttern und die Verwundbarkeit der Infrastruktur zu demonstrieren — so steht es geschrieben, nüchtern, fast höflich, als handle es sich um eine Fußnote in einem Protokoll, das niemand unterzeichnet hat.
Russische Cyberangriffe folgen einem Muster, das bereits in früheren Konflikten wie dem mit Georgien 2008 angewendet wurde. Wer 2008 beobachtet hat, wie Leitungen stumm wurden, wie Banken erblindeten, der erkennt die Handschrift wieder. Es ist dieselbe Choreografie, nur sind die Tänzer diesmal in kritischen Systemen vergraben, in Schaltschränken, die niemand je betritt.
OPSWAT präsentierte Lösungen zur Abwehr von Cyberangriffen auf kritische Systeme wie Kernkraftwerke und betonte die Bedeutung mehrschichtiger Sicherheitsarchitekturen. Man verkauft Schutz, während man dessen Notwendigkeit gleichzeitig dokumentiert. Ein elegantes Geschäftsmodell: Zuerst die Verwundbarkeit, dann das Pflaster.
Dann die Kehrtwende, die niemand so deutlich ausspricht, wie sie gemeint ist: Es gibt eine strategische Entscheidung, russische Technologie zu bevorzugen, um Kontrolle und Sicherheit zu gewährleisten. Russland selbst zeigt sich besorgt über die Risiken US-amerikanischer Ausrüstung in kritischen Infrastrukturen — als wäre Monopol kein Risiko, als wäre Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter ein Gebet und keine Falle.
Die Bevölkerung sieht die Europäische Union als vertrauenswürdigsten sicherheitspolitischen Partner, während das Vertrauen in die USA und Russland gering ist. Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen ist nicht von der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands überzeugt. Man liest diese Zahlen und fragt sich, wem sie nützen. Die da oben wissen es längst. Unklar bleibt nur, wer das Schweigen bricht — und wann.