Leggeris Akten: Wer ertrinkt, während der Direktor redet
Fabrice Leggeri sitzt in Brüssel. Direktorenstuhl, Vertrag, Gehalt. Er hat Parlamentarier belogen. Er hat Ermittlungen behindert. Das steht in Berichten, die niemand mehr öffnen will.
Ich habe 2016 Familien an der griechisch-mazedonischen Grenze gesehen. Kinder, die nach ihren Müttern riefen. Damals trat das neue Frontex-Mandat in Kraft. Es sollte schützen, kontrollieren, transparent sein. Acht Jahre später: keine Berichte. Datenlücken, die kein Zufall sein können.
Die Anklage ist schwer: Frontex sieht zu, wenn Menschenrechte gebrochen werden. Pushbacks — das Wort klingt technisch, fast zahm. Es bedeutet: Menschen werden gekidnappt, in Boote gesetzt, zurück ins Meer gestoßen. Leggeri wusste davon. Er hat, so der Vorwurf, Ermittler blockiert, Parlamentarier in die Irre geführt.
Die Agentur sollte illegale Einwanderung verhindern und grenzüberschreitende Kriminalität bekämpfen. Beides: Fehlanzeige. Das Mandat von 2016 blieb auf dem Papier. Millionenbudgets, die niemand nachvollziehen kann. Mittel, angeblich für Klimaschutz aus dem Wiederaufbaufonds — die Bilanz zeigt Lücken zwischen Plan und Wirklichkeit. Eine Zahl genannt, eine andere geliefert. Wer profitiert? Wer kontrolliert Frontex? Wer kontrolliert Mitgliedsstaaten, die ihre Daten nicht liefern? Niemand.
Beide tragen. Frontex versagt beim Mandat von 2016. Mitgliedsstaaten liefern keine Daten. Eine Architektur des Wegschauens, gemauert aus Paragrafen und Versäumnissen.
Leggeri ist der Mann auf dem Stuhl. Der Stuhl steht in einem Haus, das von innen morsch ist. Die Ägäis kennt das Wasser, das an ihre Ufer spült. Die Akten kennen die Namen. Ich kenne sie auch. Unter meinem Schreibtisch steht ein Koffer.
Für alle Fälle.