Sacklers zahlen 225 Millionen — das Vermögen bleibt
Die 225 Millionen sind kein Urteil. Sie sind eine Anzahlung.
Die Sackler-Familie, Eigentümer von Purdue Pharma, zahlt zusätzlich 225 Millionen Dollar. Acht Komma drei Milliarden Strafe nimmt das Unternehmen an. Schuldig bekannt — Verstöße gegen mehrere Bundesgesetze. Am Ende bleiben die Sacklers im Besitz eines erheblichen Vermögens, das Kliniken in einem Jahr nicht umsetzen.
Man nehme OxyContin. Vermarktet mit dem Versprechen, kaum süchtig zu machen. Die Beipackzettel sagten anderes. Die Sacklers wussten es. Aggressive Bewerbung, Verschleierung der Suchtgefahren, Manipulation von Verschreibungspraktiken. Ärzte umworben, Patienten süchtig geschrieben, Gemeinden zerstört.
Der Insolvenzantrag von Purdue? Ein Schutzschild für die Familie. Das Oberste Gericht hat den ersten Plan blockiert — er gewährte den Sacklers Immunität. Der neue Deal: individuelle Gläubiger klagen gegen die Sacklers, Purdue begleicht die zivilrechtlichen Ansprüche. Klingt nach Gerechtigkeit. Ist es nicht.
Es ist ein Kompromiss, der Strukturen erhält. Wer sitzt im Aufsichtsrat? Wer hält das Patent? Wer bezahlte die Studien, die das Suchtpotenzial kleinschrieben? Unklar bleibt, wie tief einzelne Familienmitglieder eingebunden waren. Bekannt ist: die Familie, die das Unternehmen besaß, war in die Manipulation von Verschreibungspraktiken verstrickt. Das führte zum Rechtsstreit, zur Bankrotterklärung, zu diesem Vergleich.
225 Millionen Dollar. Nicht für die Toten, nicht für die zerbrochenen Familien, nicht für die Arbeiterkliniken, in denen Entzüge ohne Budget behandelt werden. Es ist der Preis für einen Neuanfang. Das Vermögen bleibt. Der Name bleibt. Die Architektur der Macht bleibt.
In meiner Schublade liegen Studien, die niemand veröffentlicht hat. OxyContin war keine medizinische Innovation. Es war ein Vertriebssystem mit ärztlicher Lizenz.
Die Frage ist nicht, ob 225 Millionen genug sind. Die Frage ist, warum jemand nach diesem Deal noch glaubt, dass das Recht die Mächtigen trifft.