Das Sicherheitsnetz — und wer es knüpft
Ein internationales Bemühen um standardisierte Regulierungen und Protokolle für BSL-4-Labore klingt zunächst nach Vernunft. BSL-4-Labore sind entscheidend für die Forschung und Eindämmung hochgefährlicher Pathogene, die erhebliche Risiken für die menschliche Gesundheit darstellen. Wer wollte dem widersprechen?
Ich. Aus dreißig Jahren Erfahrung.
Denn der Anlass ist kein prophylaktischer. Ein britischer Professor hat den UN-Mitgliedern Behauptungen vorgelegt, die den Ursprung von Covid-19 neu befeuern. Der Molekularbiologe Richard H. Ebright behauptet, Covid-19 könnte durch menschliches Eingreifen im Chinesischen Institut für Virologie in Wuhan entstanden sein. Eine Praxis, die als erhebliche Sicherheitslücke gilt — und zur Verbreitung des Virus beigetragen haben könnte.
Die Standardisierung kommt nach dem Schaden. Das Wuhan BSL-4-Labor wurde einst mit erheblichen Sicherheitsmaßnahmen gebaut, um die Forschung an hochgefährlichen Krankheitserregern zu ermöglichen. Architektur ist kein Alibi. Beton lügt nicht, aber wer den Bauplan zeichnete, schweigt.
Hier wird es prekär. Coronaviren-Experimente wurden möglicherweise nicht nur in einem BSL-4-Labor durchgeführt, sondern auch in Laboren der Sicherheitsstufen 2 und 3. Die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von BSL-4-Laboren sind nicht hypothetisch — frühere Vorfälle von Virenlecks in China sind dokumentiert, nur nicht aufgearbeitet.
Standardisierung ist Methode. Aber Methode wofür? Wer bezahlt die Kommission, wer benennt die Experten? Unklar bleibt, ob hier ein Sicherheitsnetz geknüpft wird — oder ob nur die Knoten neu gebunden werden, damit das Netz hält, was es halten soll: Vertrauen, das längst verbraucht ist.
Wessen Hände halten hier eigentlich die Fäden?