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Das Imperium der leeren Kassen

12. Juli 2026 — — — E. Wolff

Die Zahlen sind keine Meinung. Die Zahlen sind ein Geständnis.

Das Tax Justice Network hat seinen Schattenfinanzindex veröffentlicht, und wer lesen kann, liest darin nichts weniger als die Anatomie einer Plünderung. Die Schweiz, Großbritannien, Luxemburg — das sind keine Länder auf einer Liste, das sind die Tresore einer Klasse, die gelernt hat, dass Vermögen nicht besteuert werden muss, solange es schnell genug reist.

Was passiert hier? Finanzstarke Unternehmen und Privatleute ziehen dorthin, wo das Licht der Finanzämter nicht hinkommt. Sie sparen Steuern. Und weil sie sparen, müssen andere Staaten nachziehen, die Sätze senken, die Kontrolleure entlassen — ein Wettbewerb nach unten, der nichts kostet außer den öffentlichen Kassen. Milliarden. Jedes Jahr. In einer Welt, in der Schulen verfallen und Brücken einstürzen.

Es gibt Gegenwehr. Das Abkommen zum automatischen Informationsaustausch zwischen den Steuerbehörden soll die Mauern durchlässiger machen. Schäubles Plan will Firmenregister, in denen die wahren Eigentümer stehen — nicht die Strohmänner aus Vaduz, sondern die Gesichter dahinter. Das ist kein Fortschritt. Das ist das Mindeste.

Doch die Daten zeigen, dass mehr nötig ist. Eine Finanztransaktionssteuer. Strengere Vorschriften für Ratingagenturen, die lange genug die faulen Papiere mit Bestnoten versehen haben. Strengere Dokumentationspflichten für Geschäfte mit Steueroasen. Ein Gesetz, das Geschäftsbeziehungen mit Staaten kappt, die internationale Steuerstandards nicht einhalten.

Die EU hat die Notwendigkeit erkannt. Das steht in den Akten. Unklar bleibt, wessen Hände zittern werden, wenn der Stift tatsächlich angesetzt wird — und wessen Hände dafür sorgen, dass er nie ankommt.

Man riecht es in den Sitzungssälen. Den Tabak. Die Nervosität. Die Männer in Nadelstreifen, die erklären, warum der Gürtel enger muss — bei den anderen, versteht sich. Nie bei sich selbst. Sie sagen Wettbewerbsfähigkeit und meinen Konten, die niemand prüft.

Die Bücher waren nie ausgeglichen. Das war kein Versehen. Das war ein Geschäftsmodell.

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