← Zurück zur Titelseite Gesellschaft

Sacklers Schweigepreis: 4,5 Milliarden ohne Schuldspruch

12. Juli 2026 — — — Dr. L. Rath

Purdue Pharma hat zugeschlagen. Die Firma, der Clan — die Sacklers. OxyContin, Wirkstoff Oxycodon: aggressiv vermarktet, Ärzte überzeugt, häufiger zu verschreiben. Das Ergebnis ist eine massive Opioid-Abhängigkeit, eine Generation, die in den Tod geschickt wird. Übersetzt heißt das: eine Pille, ein Patent, eine Leichenliste.

Die Mechanik war hässlich und einfach. Marketingkampagnen, die das Suchtrisiko systematisch schönten. Die Zulassung durch die FDA lieferte den sauberen Rahmen, innen die Lüge. Heroinkonsum stieg, Überdosen häuften sich, die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA sinkt seit 2015. Heute ist Opioidkonsum die häufigste Todesursache bei Amerikanern zwischen 18 und 45 Jahren. Wer profitiert? Die Familie Sackler, die im Zentrum der Anschuldigungen steht, die Opioidkrise mitverursacht zu haben. Wer zahlt? Menschen zwischen 18 und 45, die nicht mehr da sind, um irgendetwas zu bezahlen.

Was folgte, war kein Urteil. Es war ein Vergleich: 4,5 Milliarden Dollar Schadensersatz — ohne Schuldeingeständnis. Purdue steuerte sich selbst in die Insolvenz und gründete eine Stiftung, die Gewinne an die Kläger verteilen soll. Ich frage: Welche Gewinne? Sackler-Vermögen wanderte über Jahre in Stiftungen, Trusts, Immobilien — Namen, die wie Alibis klingen. Offen bleibt, wie viel davon heute noch greifbar ist. Offen bleibt, warum kein persönlicher Schuldspruch folgte. Und offen bleibt, welche ärztlichen Adressaten der Marketingmaschine bis heute unbehelligt weiter verschreiben.

Purdue war in einen der größten Bußgeldfälle der Pharmaindustrie verwickelt — wegen systematischer Fehldarstellung des Suchtrisikos. Die Akte ist dick. Die Totenliste ist dicker.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite