← Zurück zur Titelseite Wirtschaft

Sechzehn Nein zur Zulassung — und die Wurzeln, die trotzdem wachsen

12. Juli 2026 — — — Ida Feuerbach

Wenn ein Feld verstummt, riecht es zuerst nach Staub. Dann nach Papier. Irgendwann nach Versprechen, die niemand eingelöst hat.

Sechzehn EU-Mitgliedstaaten und eine Region haben sich aus der Zulassung genommen. Kein Aufschrei, keine Demonstration. Ein Verwaltungsakt, ein Häkchen in einer Tabelle. Aber dahinter: wachsende Bedenken. So nennt man das, wenn Regierungen den Bürgern nicht mehr erklären wollen, warum sie schweigen.

Die Erneuerungsanträge laufen seit 2009. Achtzehn Jahre Schwebezustand. Genehmigungen bleiben weiter gültig, bis eine Entscheidung fällt. Wer hat diese Architektur entworfen? Wer profitiert von einem Dauernden Darüberhinweg, das weder Ja noch Nein ist? Das alte Spiel: keine Ablehnung aussprechen, also bleibt es erlaubt.

Bayer lehnt es ab, die Überwachung zu ändern. Die EFSA empfiehlt intensivere Kontrolle. Die französische Anses ebenfalls. Beide. Und Bayer? Zuckt die Schultern. Was bleibt, ist ein Unternehmen, das den Tisch bezahlt und die Regeln mitverhandelt, nach denen geprüft wird. Das ist keine Landwirtschaft mehr. Das ist ein Pachtvertrag über die Zukunft.

Dann Teosinte. Der wilde Urahn des Mais. Er hybridisiert mit dem transgenen Mon810. Heißt: Insektizidproteine, die im Labor zusammengebaut wurden, finden ihren Weg zurück in eine Pflanze, die seit Jahrtausenden auf eigenen Beinen stand. Kein Zaun hält das auf. Kein Feldrand. Was einmal in die Erde geht, kommt nicht wieder heraus. Das ist keine Metapher. Das ist Botanik.

Bayer spricht von Transparenz. Von offenem Dialog. Man habe anfangs den Austausch mit kritischen Stimmen vernachlässigt, sagt man nun. Großzügig. Wer jahrelang das Gespräch verweigert und dann Dialog als Erfindung verkauft, hat das Misstrauen nicht verdient — nur den nächsten Quartalsbericht.

Ja, GVO kann Erträge steigern. Ja, die EU führt ein strenges Zulassungsverfahren. Beides stimmt. Beides verschweigt, dass Strenge ohne Kontrolle nichts ist als Theater.

Was bleibt, ist Erde. Geduldig. Stumm. Bis sie wieder ruft.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite