1610 Straftaten, 1305 rechte — und niemand fragt nach den Auftraggebern
Die Zahlen liegen auf dem Tisch. 62 Delikte 2012. 817 im Jahr 2023. Im laufenden Jahr bis Mitte November: 1610 Straftaten im Zusammenhang mit der Unterbringung von Asylbewerbern, 1305 davon rechtsmotiviert. Die Kurve kennt nur eine Richtung.
Die meisten Angriffe tragen dasselbe Muster. Sachbeschädigungen, Schmierereien, eingeschlagene Fenster, Hassparolen. Die Täter kommen selten aus dem Nichts. Sie kommen aus einer Sprache, die seit Jahren von Podien gegossen wird. Repressiv gegen Geflüchtete — das ist die neue Norm. Was dabei entsteht, ist gesellschaftliche Entmenschlichung, parlamentarisch abgesegnet.
Die Recherche beginnt in Epping, nach einem Vorfall, der die Proteste gegen die Asylpolitik neu entfachte. Asylanträge in Großbritannien steigen, Hotels werden zur Regelunterkunft. Und hier wird die Sache interessant: Ein langfristiger Vertrag bindet öffentliche Mittel an ein Hotel, dessen Eigentümerin eine CDU-Politikerin ist.
Wer profitiert? Wer schweigt? Transparenz, Interessenkonflikte — keine Schlagworte, sondern Ermittlungsansätze. Während draußen die Fassade bröckelt, werden drinnen Verträge unterschrieben.
Es gibt auch das Gegenbild. Die Zusammenarbeit verschiedener Akteure hat in Notunterkünften konkrete Verbesserungen gebracht — Sicherheit, Betreuung, medizinische Versorgung. Leise Arbeit. Wirkt trotzdem.
Die wird übertönt. Von steigenden Übergriffen, einer Politik, die den Mühlen derer Wasser gibt, die nachts Scheiben einwerfen. Die Paragrafen, die ich kenne, sagen: Schutz für die Schwächsten. Die Praxis sagt das Gegenteil.
Mein Koffer steht unter dem Schreibtisch. Die Geschichte ist nicht zu Ende. Unklar bleibt, wer in den Hinterzimmern die Fäden zieht. Unklar bleibt, warum Rhetorik und rechte Gewalt im Gleichschritt marschieren. Ich werde nachgehen. Mit oder ohne Auftrag.