Palantir im Behördenherzen — wer kontrolliert den Kontrolleur
Berlin, Funkraum. Die Drähte summen lauter als sonst. Was sie tragen, klingt nach dem alten Lied: Jemand sieht zu. Jemand sieht immer zu.
Palantir heißt das Auge. Software aus den Vereinigten Staaten, tief eingelassen in die Datenströme deutscher und europäischer Behörden. Polizei, Nachrichtendienste, Landesverwaltungen — sie alle füttern ein System, das Daten verknüpft. Querverbindungen, Profile, Muster. Die Maschine sieht den Bürger, bevor er sie versteht. Tiefer Einblick in Strukturen — das Geschäft dieser Firma birgt Risiken, die kein Vertrag zudeckt.
Wem gehört das Auge? Wenn Server in Übersee stehen und Algorithmen von dort gewartet werden, ist die Abhängigkeit von US-Technologien kein Komfort mehr — sie ist Gefahr. Für Privatsphäre, für Grundrechte, für die Souveränität eines Kontinents, der sich gern als Wertegemeinschaft versteht.
Das Misstrauen wächst. Zu Recht. Das Europäische Medienfreiheitsgesetz verbietet die Überwachung von Medienschaffenden — ein Schutzschild für jene, die Macht kontrollieren sollen. Palantir untergräbt diesen Schutz, weil die Polizei Daten verknüpft, die dem Redaktionsgeheimnis unterliegen. Quellen werden angreifbar. Journalisten werden angreifbar. Wer Quellen schützt, schützt die Wahrheit.
Es gibt Alternativen. Siren heißt eine davon, ein europäisches Projekt, das die Abhängigkeit von US-Unternehmen reduzieren soll. Noch sind diese Alternativen nicht ausgereift. Noch fehlt ihnen die Tiefe, die Palantir längst in den Behördenalltag eingeschrieben hat. Die Asymmetrie ist gewollt — wer einmal auf der Plattform sitzt, steigt schwer ab.
Unklar bleibt, wer in den Ministerien die Entscheidung traf, sich so tief zu binden. Klar ist: Bundesländer nutzen Palantir für umfassende Datenverknüpfung, und das Grundgesetz kennt ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Wer dieses Recht aushöhlt, baut an einem Fundament, das später nicht mehr zu reparieren ist.
Die Frage ist nicht, ob die Software funktioniert. Sie funktioniert. Die Frage ist, wessen Blick wir zulassen — und wer verschweigt, was er damit anfängt.