PARIS VERSPROCHEN. GLASGOW BESCHWÖREN. GEBOHRT WIRD TROTZDEM
Die Welt hat sich das Pariser Klimaabkommen in die Brusttasche gesteckt wie einen Führerschein. Man zeigt ihn vor, wenn jemand fragt. Dann macht man weiter wie zuvor.
Während die Redner in Glasgow ihre Worte setzen wie Diamanten in Fassungen, lassen Öl- und Gasunternehmen weiter die Bohrtürme rotieren. Sie steigern ihre Produktion. Trotz Abkommen. Trotz Klimaneutralität. Das Ergebnis ist nicht schwer zu erraten: mehr Treibhausgase in einer Atmosphäre, die ohnehin schon keucht wie ein alter Boiler. Die meisten Länder sind weiter an der Erkundung und Erschließung neuer Reserven beteiligt. Das ist kein Zufall. Das ist Geschäftsmodell.
Die Deutsche Umwelthilfe und urgewald sagen, was zu sagen ist. Sie fordern eine klare Absage an die Finanzierung fossiler Energien. Kein Halb. Kein Vielleicht. Absage. Wer Klimaziele erreichen will, muss das Geld anders lenken. Wer das nicht tut, lügt.
Bundeskanzler Olaf Scholz wird vorgeworfen, genau das Gegenteil zu tun. Er fördert die Finanzierung fossiler Projekte. Im Widerspruch zum Glasgow-Statement, das er selbst mitunterzeichnet hat. Unklar bleibt, ob das Absicht ist oder nur die übliche Berliner Bequemlichkeit.
Die G7-Staaten investieren weniger als zehn Prozent des Volumens, das für die Energiewende nötig wäre. Zehn. Prozent. Dann wundern wir uns, dass die Erde sich aufheizt wie ein schlecht gedämmtes Reihenhaus.
Greenpeace redet Klartext. Wo sind die konkreten Maßnahmen zum Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl? Wo ist der Abschied? Nicht in Sicht. Man redet. Man verschiebt. Man beruhigt.
Wer profitiert? Die Alten. Die Konzerne. Die Aktionäre, die nie einen Tropfen Öl an den Händen hatten. Wer zahlt? Die, die an der Zapfsäule den Preis sehen. Die, die im Hochwasser die Möbel aus dem Keller schleppen. Die, deren Küsten weggespült werden, während die Bohrtürme weiter rauschen.
Die Gleichung ist so einfach, dass sie wehtut. Wer die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert, schützt das Klima. Und wer das Klima schützt, sichert den Frieden. Wer umgekehrt handelt, sichert das Konto derer, die längst genug haben.
Die Struktur trägt sich selbst. Solange wir an der Zapfsäule nicht hinsehen, was im Vorstand entschieden wird. Solange Glasgow unterschrieben wird und die Bohrtürme weiterlaufen. Solange das Geld dorthin fließt, wo es immer floss.
Unklar bleibt nur eines: wer den Hahn zudreht. Und wann.