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DIE PIPETTE UND DER PATIENT NULL

12. Juli 2026 — — — Prof. Kessler

1937. Die Wissenschaft verspricht viel. Ich notiere.

Wieder ein Labor, wieder ein Virus, wieder eine Frage, die niemand beantworten will. Das Wuhan-Institut für Virologie — WIV, sagen die Akten — besitzt die größte Sammlung von Fledermaus- und anderen Coronaviren in Asien. Seit 2015 steht dort ein BSL-4-Labor, jene letzte Stufe der Sicherheit, die gebaut wird, wenn man mit Erregern spielt, die kein Gegenmittel kennen. Und man hat gespielt. Gain-of-Function-Experimente — das ist jene elegante Vokabel dafür, Fledermaus-Coronaviren so lange zu bearbeiten, bis sie für Menschen gefährlich werden. Man nennt das Forschung. Man tut es im Namen der Vorsorge. Man misst, wie nah man am Funken ist.

Wer hat das bezahlt — diese Frage steht am Anfang jeder ehrlichen Akte. Welches Interesse hat das Institut daran, Erreger gefährlicher zu machen, als die Natur sie schuf? Die Antwort lautet stets: Vorbereitung. Impfstoffe. Therapeutika. Wer hat widersprochen? Die Listen sind lang, die Stimmen leise. Was wurde nicht gemessen? Der Abstand zwischen Hypothese und Biosicherheit.

Der Virologe Yuan Zhiming bestreitet die Vorwürfe und betont die Transparenz seiner Forschung. Ich höre dieses Wort seit dreißig Jahren — Transparenz — und es hat die Farbe von Milchglas. Es gibt Bedenken hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen und der Ausbildung der Mitarbeiter im Wuhan-Institut, die möglicherweise zu einem Laborunfall geführt haben könnten. Möglich. Das Wort trägt viel. Experten vermuten zugleich, dass das Virus von einem Tiermarkt in Wuhan stammt und von Fledermäusen über ein anderes Tier verbreitet wurde. Zwei Hypothesen, beide plausibel, beide ohne endgültigen Beweis.

Der Widerstand gegen die Freigabe von Geheimdienstinformationen könnte erklären, warum der Ursprung der Pandemie weiterhin ungeklärt ist. Eine bemerkenswerte Formulierung. Beamte äußerten Bedenken, dass die Veröffentlichung von Informationen zu Maßnahmen führen würde, die die USA selbst durchführen müssten, und Zugang verlangen würde, den sie nicht gewähren könnten. Aha. Also nicht nationales Geheimnis, sondern handwerkliches. Wer betreibt, möchte nicht verraten, was er betreibt. Wer forscht, möchte nicht preisgeben, wie er forscht. Die Struktur ist alt.

Die Wissenschaft verspricht viel. Sie hat wieder geliefert.

Wer zählt die Proben, die niemand öffnen darf?

✦ Ende des Artikels ✦
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