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Klimahandwerk öffnet Werkstatttüren — doch wer profitiert wirklich?

13. Juli 2026 — — — M. Silber

Sie nennen es die neue Praxishandreichung. Klingt nach Werkzeugkasten, klingt nach Hände schmutzig machen. Klingt nach jemand, der begriffen hat, dass draußen Menschen stehen, die schrauben, löten, dämmen können — und seit Jahren Formulare ausfüllen statt Wände.

Die Situationsanalyse zur beruflichen Anerkennung und Qualifizierung zugewanderter Arbeitskräfte im Umwelt- und Klimahandwerk liest sich wie ein Lichtschalter. Praktika, die in Arbeitsverträge münden. Workshops mit Jobcentern und Agenturen. Demokratische Werte, Vielfalt, Toleranz, gesellschaftliches Engagement — die Wortgirlande aus Förderbescheiden.

Wer hat das geschrieben? Wer wählt die Betriebe aus? Und wer sortiert vorher aus, wer überhaupt bis zur Praktikumsschwelle durchkommt?

Gefördert wird über den Europäischen Sozialfonds. Das Programm soll legale Migration fördern, soziale Integration stärken und die Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten verbessern. Brüssel verteilt Geld. Brüssel will Bilder gelungener Integration. Das Handwerk liefert die Kulisse.

Dabei ist der Ansatz nicht falsch. Das Klimahandwerk sucht Leute. Die Handreichung bündelt die Workshop-Erkenntnisse. Asylbewerber:innen sollen über Praktika in Betriebe kommen. Arbeitgeber, Institutionen, Privatsektor enger verzahnt, vertrauensvolle Beziehungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Wer wäre dagegen?

Ich bin dagegen, so zu tun, als sei damit schon etwas gewonnen. Papier ist Papier. Papier nimmt niemandem die Angst vor der Abschiebung. Papier schützt nicht den Praktikanten, der nach sechs Monaten erfährt, dass sein Status nicht verlängert wird.

Offen bleibt, wer die Teilnehmenden auswählt. Unklar bleibt, welche Betriebe tatsächlich übernehmen. Unklar bleibt, was nach Projektende aus den Menschen wird.

Ich bleibe misstrauisch. Das ist mein Beruf. Der Koffer unter dem Schreibtisch steht für alle Fälle.

Aber ich lese weiter. Denn wenn auch nur eine Werkstatt, ein Solarteur, ein Heizungsbau-Betrieb einem Menschen eine echte Chance gibt — dann hat dieses Papier mehr geleistet als die meisten Sonntagsreden daneben.

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